Warum Blogkommentar-Spam Zeitverschwendung ist

Seit einiger Zeit werden wir in regelmäßigen Abständen von „Lesern“ heimgesucht, die nur vorbeikommen, um einen Spamkommentar (mit Link zu ihrer Webseite) unter unseren Artikeln zu hinterlassen. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von den Blogkommentar-Triaden (nicht zu verwechseln mit der Forenlink-Mafia).  Eine besonders aggressive Splittergruppe, die uns massiv zusetzt, ist die so genannte Schlüsseldienst-Mafia.

„Kriminelle Energien“ unter SEOs: Blogspam ist nicht totzukriegen

Jeder, der einen Blog oder ein Magazin betreibt und die Kommentarfunktion nicht direkt deaktiviert hat, kennt das Problem: Sobald deine Seite zu bestimmten Begriffen rankt, ein paar Links aus Blogverzeichnissen oder Branchenbüchern hat, auf einer anderen Seite erwähnt wird, kurz: irgendwie im Netz sichtbar wird, kommen die Spam-Ratten aus ihren Löchern gekrochen und fallen über deine Artikel her. Und spätestens jetzt stellst du die automatische Freischaltung der Kommentare ab und prüfst die Kommentare, bevor du diese freigibst. Schlimmstenfalls führen die permanenten Anschläge der Blogkommentar-Triaden dann dazu, dass du die Kommentarfunktion entnervt vollständig deaktivierst.

Letztendlich handelt es sich dabei um sehr frustrierende Tatsachen. Denn es ist einerseits schade, wenn man auf seine mühevoll erstellten Artikel gar keine Resonanz mehr bekommt (oder nur noch über FB-Kommentare, wenn man, wie wir, Links zu unseren Artikeln auch über Facebook oder Google+ publiziert). Außerdem stellen Diskussionen über Blogkommentare auch ein positives Signal für Google und Co. dar – denn diese zeigen der Suchmaschine, dass hier Aktivität herrscht und die publizierten Themen offenbar von Interesse für die Nutzergemeinde sind. Insofern sei es hier bereits in aller Deutlichkeit gesagt:

Wir mögen Kommentare. Wir freuen uns über eure Kommentare. Wir möchten mit euch über Kommentare kommunizieren!

Beispiele aus der Praxis: So sehen die Verwüstungen der Blogkommentar-Triaden aus

Normalerweise ist ein Kommentar, welches den finsteren Ränken der Spam-Syndikate entsprang, nach einem bestimmten Ratser aufgebaut. Oder, anders formuliert: Es lässt sich ein Grundkonzept erkennen, dem Blogspammer oft folgen. Dieses kann leicht variieren, in dem einer der folgenden Schritte einfach weggelassen oder an andere Stelle gesetzt wird:

  • 1. Anrede
  • 2. Bedanken
  • 3. Minimale Bezugnahme auf den Artikel

Toller Artikel – Vielen Dank!

In der Praxis sieht das dann so aus; wir beginnen mit Beispielen der bereits mehrfach erwähnten Schüsseldienst-Mafia (man beachte auch die Rechtschreibfehler dieser liebevoll erstellten Kommentare) :

Vielen dank für den Beitrag, habe nicht gewusst das es so viele von diesen Pinnwänden gibt. Schwer zu entscheiden welche man jetzt auswhälen soll.
Gruß. –> „Anton Heinrichs“, schlüsseldienst-ingolstadt.de

Sehr interessanter Artikel. Super, dass hier alles zusammengefasst ist, was man sich sonst müselig zusammenstellen muss.
Liebe Grüße –> „Marcel“, schlüsseldienst-aschaffenburg.de

Super Sache Herrn Vogt, ich werde es mal ausprobieren! Da Sie es netterweise kostenlos bereit gestellt haben werde ich mal die Chance nutzten und versuchen meine Arbeitsabläufe besser zu organisieren.
Gruß Hans –> „Hans Baier“, aachener-schluesseldienst.de

Diese Art von Schlüsseldienst-Kommentaren haben wir mittlerweile mindestens einmal zu jedem Artikel, den wir veröffentlichen. Ein kurzer Gegencheck ergibt: In den unteren beiden Fällen steht im Impressum ein gewisser Carlos Santos mit Sitz in Portugal; die dritte Seite leitet zur Hauptseite des „Verband Deutscher Schlüsseldienste e.V.“ (also gewissermaßen zum Paten des Syndikats?) weiter.

Anhand der obigen Beispiele erkennt man deutlich, dass sich der Spammer dahinter schon ein bisschen mit der Thematik Blogkommentare befasst und begriffen hat, dass Kommentare á la: „Super Artikel – Vielen Dank!“ heute mit 90prozentiger Wahrscheinlichkeit nicht mehr freigeschaltet werden, vor allem nicht mit Verlinkung auf die eigene Webseite. Indes hat er/sie aber auch nicht verstanden, worauf es bei einem Blogkommentar ankommt (darauf komme ich später noch einmal zurück).

Natürlich ist unser Blog bei Weitem nicht der einzige, der mit den Blogspam-Triaden zu kämpfen hat. Auf dem Blog von searchmetrics hat zum Beispiel das Matratzen-Syndikat zugeschlagen (durch meinen Kollegen René entdeckt). Dies ist zugleich ein schönes Beispiel dafür, wie Spam, dem kein Einhalt geboten wird, direkt wieder andere Spammer aus den selben Kreisen anzieht.

Der erste Kommentar ist direkt von einem Matratzen-Capo geschrieben, bezieht sich aber immerhin noch direkt auf den Text:

matratzen-spam kommentar

Und dann, ein paar Kommentare weiter unten und ein halbes Jahr später:

spamkommentar screenshot

Ein Blick in die Impressen der Seiten offenbart unterschiedliche Betreiber. Es ist also aufgrund der zeitlichen Verschiebung davon auszugehen, dass „Vanessa“ sich im Rahmen einer Konkurrenzanalyse die Links von „Kev“ angeschaut hat, so auch auf diesen Kommentarlink gestoßen ist und ihn kurzerhand durch einen eigenen Kommentar nachbaute. Okay: Man muss sowohl „Kev“ als auch „Vanessa“ zugute halten, dass sie sich nicht nur auf das plumpe „Guter Beitrag, probier‘ ich auch mal aus.“ beschränken (Vanessa kam sogar noch einmal wieder, da ihr auf den obigen Kommentar geantwortet wurde). Aber dennoch zeigt das Beispiel anschaulich, wie Blogspam funktionieren kann.
Abgesehen von Konkurrenzanalysen gibt es noch weitere Gründe, die eine Invasion durch Kommentarsyndikate begünstigen. Diese werde ich im nächsten Abschnitt etwas eingehender erläutern.

Weitere Ursachen für gleiche Linkziele in Blogkommentaren

Wir halten fest: Wer einmal einen Spam-Link freigeschaltet hat, läuft Gefahr, dass die Konkurrenz dieses Spammers das ebenfalls mitbekommt und gleichziehen will. Aber das ist nicht die einzige mögliche Ursache.

Eintrag in (Todes-)listen (der Spamkommandos)

Was wie eine Belohnung aussieht, kann einem schon mal zum Verhängnis werden. EIn gutes Beispiel bildet eine befreundete Agentur aus der untenstehenden Liste. Wir bilden dabei ein gutes Beispiel. Zu dem Zeitpunkt, da lediglich die Vorgängerseite besagter Agentur existierte, wurde sie irgendwann einmal in der DoFollow-Liste eingetragen. Und, da sie den für SEOs (mittlerweile nicht mehr so) spannenden PageRank von 5 vorzuweisen hatte, sogar ziemlich weit oben (die Liste geht noch ziemlich lange weiter):

do-follow-liste-screenshot

 

Frau Simon, die diese Seite ins Leben gerufen hat, verweist ausdrücklich darauf, dass nicht gespammt werden soll, wenn man einen Kommentar auf einer Seite wie der unseren hinterlassen möchte. Aber die Praxis sieht anders aus. Ein Blick in Analytics verrät, dass unsere befreundete Agentur im Februar 2015  70+ Besucher über derartige Listen (stehen noch in mindestens zwei anderen drin) bekommen hat. Die Anzahl der sinnvollen Kommentare, die daraus entstanden sind, war, nun ja, nennen wir sie mal bescheiden. Mitunter wurden Kommentare trotzdem freigeschaltet, wobei explizit auf die Spammerei hingewiesen wurde:

spam-als-blogkommentar

Mehrere Kunden aus der gleichen Branche

Es kommt vor, dass eine SEO-Agentur mehrere Kunden aus der gleichen Branche betreut. Für den SEO bzw. seine Agentur stellt das nicht unbedingt ein Problem dar, vor allem dann nicht, wenn es primär um lokales Ranking geht und die Kunden örtlich weit voneinander getrennt sind. Im Gegenteil: Die Agentur kann ihre Erfahrungen in dem Themensegment nutzen, um anderen Kunden zu helfen. Allerdings geht dies bisweilen zu Lasten derjenigen Seitenbetreiber, auf denen die Links für diese Kunden entstehen sollen. Anhand des Themas Blogkommentare ist dies schnell veranschaulicht:

SEO findet Blog –> postet (spammigen) Kommentar für Kunden ABC –> kontrolliert kurze Zeit später und stellt fest, dass Freischaltung erfolgt ist –> freut sich und notiert sich den Blog –> kommt kurze Zeit später wieder und postet (spammigen) Kommentar für Kunden XYZ –> usw.

Wer hier wieder die Leidtragenden sind, sollte klar sein: Im Endeffekt alle beteiligten Parteien.

Zusammenfassung: Warum die Blogspam-Triaden sich selbst ins Knie schießen

  • Im ersten Schritt muss sich der Blogbetreiber über vermehrtes Spamaufkommen ärgern. Je nach Kommentar-Aufkommen und damit verbundenem Zeitaufwand zur Moderation wird er vielleicht irgendwann die Lust verlieren und entweder keine Links aus Kommentaren mehr zulassen – oder diese ganz abschalten. Damit ist er die Spamflut zwar los, wird aber weniger Kommentare oder eben gar keine mehr bekommen, was schade ist (denn prinzipiell sind Kommentare eine gute Sache, wie eingangs schon erwähnt).
  • Für den Kunden der SEO-Agentur bedeutet es, für Links bezahlen zu müssen, die nicht entstehen. Zudem sorgt Blog-Spam für eine negative Reputation; je exzessiver gespammt wird, desto mehr sinkt das Ansehen der Seite und des Betreibers. Sowohl in den Augen anderer Nutzer – als auch in den Augen der Suchmaschine, die ja, wie wir alle wissen, nicht dumm ist. Spam-Links werden irgendwann als solche identifiziert und bestenfalls „nur“ entwertet.
  • Und für die SEO-Agentur selbst bedeutet es, selbst aktiv am Versiegen einer Linkquelle beigetragen zu haben. Hinzu kommen schlimmstenfalls unzufriedene Kunden – denn diese bekommen irgendwann für ihre bezahlte Zeit weniger Links – oder aber solche, die bestenfalls nichts wert, schlimmstenfalls aber geschäftsschädigend sind.
  • Auch Privatpersonen schaden sich durch Blogspam; denn gerade für diese ist eine gute Reputation in den Augen der Netzgemeinde und der Suchmaschine von Wichtigkeit. Da diese es wesentlich schwerer haben, ihre Webseite oder ihren Blog zu Bekanntheit zu verhelfen, ist eine weiße Weste von besonderer Bedeutung.

So geht’s auch: Warum Blogkommentare eine gute Sache sind

Wie schon mehrfach erwähnt: Wir halten Blogkommentare im Grunde ihres Wesens für eine gute Sache. Nur muss eben gründlich zwischen „echten Kommentaren“ und dem Müll der Blogspam-Triaden (sei es Schlüsseldienst-Mafia, Matratzen-Syndikat oder auch Einzelkämpfer) unterschieden werden. Obwohl vieles davon eigentlich selbstverständlich sein sollte, will ich abschließend noch ein mal ein paar Dinge erklären.

Wozu die Linkmöglichkeit in den Kommentaren?

Schließlich könnte man doch von vornherein darauf verzichten und hätte die Blogspam-Triaden auch niemals zu fürchten brauchen. Richtig, könnte man – aber die Verlinkung stellt eine gute Möglichkeit dar, mehr über den Autor des Kommentars zu erfahren. Wer einen qualifizierten Kommentar verfasst und seinen Namen mit seiner Webseite verlinkt, tut etwas für seine eigene Reputation. Es darf dann ruhig der echte Name sein; schließlich braucht man sich für seine Meinung nicht zu verstecken. Vorausgesetzt natürlich, man hat wirklich eine und ist nicht nur ein Spammer, der auf seine (meist schlechte) Seite verlinken will. Denn dann geht es gar nicht darum, wirklich etwas für seinen guten Ruf zu tun, sondern eben nur um stupides Linkbuilding ohne Substanz.

Der verlinkte Name ist die Visitenkarte oder die Autorenseite des Verfassers; wer den Kommentar gelesen hat und interessant findet, sollte durch den Klick auf den Link erfahren können, wer dahinter steckt.

Reputation durch Blogkommentare sammeln

Letztendlich sollte es eben vor allem darum gehen. Aus Blogkommentaren können sich noch ganz andere Dinge entwickeln, wenn man es nur geschickt anstellt. Neben der Stärkung des eigenen Rufes lassen sich über diesen Weg neue Kontakte knüpfen, Akquise betreiben, Traffic generieren und so weiter. So sollte man den Wert dieser Links nicht unterschätzen. Dazu ist es eben wichtig, mehr als ein sinnentleertes „Schöner Artikel, vielen Dank!“ auf der Pfanne zu haben. Hier einige Anregungen:

  • LIES den Artikel (LESEN≠ÜBERFLIEGEN)!
  • Nimm dir einen Augenblick Zeit, über das Gelesene NACHZUDENKEN.
  • LIES die markante Stellen im Zweifelsfall NOCH EINMAL.
  • ÄUßERE DEINE MEINUNG in differenzierter und detaillierter Form, stelle eine ergänzende Frage zum Artikel … .
  • LOBE UND/ ODER KRITISIERE KONSTRUKTIV – so dass der Autor des Artikels merkt, dass du dich mit dem Artikel beschäftigt hast.

Zum Schluss: Wenn Blogbetreiber geizig sind

Damit es nicht heißt, ich wäre ungerecht und würde vorverurteilend den privaten Linkbuildern und SEOs da draußen mit dem Zeigefinger drohen: Mir ist durchaus bewusst, dass es auch eine andere Seite der Medaille gibt.

Wer genau das getan hat, was ich in der obigen Aufzählung genannt habe, ist zu Recht frustriert, wenn sein Link gelöscht wird. Sollte die Seite, auf die er/sie verlinken wollte, nicht über die Maßen schlecht oder spammy sein, ist so eine Link-Nicht-Freischalterei auch in meinen Augen schlicht unfair! Außerdem geizig und egoistisch – zumal der Kommentar ja meist rückhaltlos übernommen wird. In solchen Fällen kann es sich lohnen, den Webmaster einmal direkt anzuschreiben und ein bisschen sein Gewissen zu prüfen; vielleicht überlegt er es sich ja anders – oder es ergibt sich eine andere Möglichkeit, einen Link von der Webseite des Begehrens zu erhalten, die vielleicht sogar spannender ist als der Kommentar. Ansonsten: Ärger runterschlucken und nicht verzagen! Du wirst sehen, dass diese Methode sich auch kurzfristig eher bezahlt macht, als sich den Blogspam-Triaden anzuschließen. Ich werde es dir beweisen: Hinterlasse einen entsprechenden Kommentar zu diesem Artikel. Und wenn dieser es wert ist, sehe ich keinen Grund, Verlinkungen auf Eierschalensollbruchstellenverursacher, Delfinflossenseife oder Dilatatoren nicht freizuschalten. 😉