Unternehmer werden, muss nicht durch eine Neugründung stattfinden. Bestehende Unternehmen suchen immer die Nachfolgelösung. Mit einer Unternehmensnachfolge kann das neue Geschäft vom ersten Tag an Umsatz erwirtschaften und solide aufgebaut wirtschaften. Firmen aus einer Nachfolge sind am Markt etabliert, haben einen festen Mitarbeiterstamm und einen Kundenkreis. Der Nachfolger weicht damit den ersten Herausforderungen einer Neugründung elegant aus. Und der bisherige Unternehmer findet im Nachfolger eine Lösung für das Fortbestehen seines Lebenswerkes.

Vor einer Unternehmensnachfolge stehen eine Vielzahl Aufgaben an. Begonnen wird mit einer ausführlichen Beratung vor der Übernahme. Als neuer Unternehmer sollte man sehr genau in Erfahrung bringen was es bedeutet, ein bereits am Markt etabliertes Unternehmen zu kaufen. Denn dies muss auch in den nächsten Jahren Wettbewerbsfähigkeit beweisen, Arbeitsplätze sichern und Kundenbeziehungen pflegen sowie Neukunden gewinnen.

Wichtige Themen für die Unternehmensnachfolge

  • Unternehmensnachfolge planen
  • Ein passendes Unternehmen finden
  • Unternehmen vor der Nachfolge kennenlernen
  • Kaufpreis für eine Unternehmensnachfolge
  • Gestaltung der finalen Übernahme

Unternehmenswert feststellen – Kaufpreis finden

Beim Kaufpreis für ein Unternehmen finden i.d.R. die größten Diskussionen statt. Natürlich möchte der bisherige Unternehmer einen möglichst hohen Preis für seine Firma erzielen. Sein Herzblut steckt in dieser Firma und entsprechend emotional erfolgt der Einstieg in die Preisfindung. Und selbstverständlich strebt der Nachfolger einen niedrigen aber dennoch fairen Kaufpreis an. Die Preisfindung erfolgt über komplexe Bewertungsverfahren. Der Unternehmenswert muss sinnvoll bewertet werden. Ein zu hoher Preis kann den Nachfolger von Beginn an in wirtschaftliche Schwierigkeiten bringen – wenn denn der Deal überhaupt passiert.

Herz und Verstand bei Unternehmensnachfolge

Frühzeitig sollten Wirtschaftsprüfer und kompetente Berater der Kammer hinzugezogen werden. Die Verhandlungen sollten beide Parteien mit einer Verhandlungsbasis beginnen und nicht meinem gesetzten Limit. So erleichtert es den Verhandlungsbeginn und vermeidet einen Konflikt wegen finanzieller Uneinigkeit.

Faktoren die in der Preisfindung auch eine Rolle spielen:

  • Unternehmensgröße
  • Rechtsform
  • Kunden- und Lieferantenbeziehungen
  • Mitarbeiterkosten
  • Mitarbeiterqualifikationen
  • Regionale Einflüsse
  • Kapitalstruktur des Unternehmens
  • Weitere Kauf-Interessenten
  • Wettbewerbszustand

Nachfolge planen: In die Zukunft denken

Wer die Nachfolge planen möchte, plant seine Zukunft. Vorteil hierbei ist, dass die Planung auf Basis bereits vorhandener Informationen stattfindet. Das Unternehmen dessen Nachfolge geplant wird, existiert bereits. Viele Annahmen können mit konkreten historischen Daten angereichert werden. Der Weg vom Ist- zum neuen Soll-Zustand wird mit definierten Zielen sehr planbar.

Fragen zur Unternehmensnachfolge

Wie kann mich die IHK bei der Unternehmensnachfolge unterstützen?

Die IHK bietet für Übergeber und Nachfolger einen kostenfreien, persönlichen Nachfolge-Service. Dabei wird beiden Parteien mit Beratungsgesprächen, Hinweisen und Checklisten das Thema Unternehmensnachfolge konkret am eigenen Fall geschildert. Ziel ist ein Fahrplan mit den weiteren Schritten um die Nachfolgeplanung zu gestalten. Was der Service der IHK nicht beinhaltet ist die steuerrechtliche- und rechtliche Beratung, sowie eine direkte Unternehmensbewertung. Für diese Zwecke empfiehlt sich generell ein erfahrener Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Rechtsanwalt. Ruft die Unternehmensnachfolge für den Nachfolger eine neue Existenzgründung auf den Plan, bietet die IHK auch ihre Existenzgründerberatung als separaten Service.

Jährlich bietet die IHK im Herbst ihre Seminarreihe zum Thema Nachfolge an. An dieser kosten alle IHK-Mitglieder kostenlos teilnehmen. Sie besteht aus drei Teilen und behandelt u.a. allgemeine Fragen zur Planung, aber auch spezifische Themen wie die Unternehmensnachfolge innerhalb der Familie.

In Bezug auf die Unternehmensbewertung hilft die IHK mit einem umfassenden Überblick über die verschiedenen Bewertungsmethoden. Selbst führt die IHK keinerlei Bewertung durch, kann aber gleichwohl auf Wunsch einen öffentlich bestellten, vereidigten Sachverständiger vermitteln.

Woher weiß ich, welcher Nachfolger für mein Unternehmen der Richtige ist?

Der beste Weg zur Gewissheit, den Richtigen für sein Unternehmen gefunden zu haben, ist die Erstellung eines Anforderungsprofils sowie das persönliche Kennenlernen des Nachfolgers, sowie ggf. das Kennenlernen von anderen Unternehmen und Unternehmern, in denen der Nachfolger ebenfalls eingestiegen ist. Gespräche mit anderen Unternehmern können vor allem dabei helfen, herauszufinden ob sich der Nachfolger an Pläne hält. Ob und wie es Veränderungen bei der Personaldecke gab. Welche strukturellen Maßnahmen ergriffen wurden uvm.

Maximale Sicherheit den richtigen Nachfolger gefunden zu haben, entsteht nicht ausschließlich auf dem Papier, sondern auch auf zwischenmenschlicher Ebene. Und eine Garantie gibt es nie. Kaufinteressenten sollten in jedem Fall eine Interessensbekundung (IOI = Indication of Interest) abgeben. Diese ermöglicht dem Verkäufer die potentiellen Kandidaten zu vergleichen.

Besteht die Möglichkeit die Nachfolge innerhalb der Familie zu lösen? Auch dann sollte der Nachfolger objektiv betrachtet werden. Ob ein Familienmitglied oder ein externer Nachfolger, die Voraussetzungen müssen passen. Verfügt die Person über kaufmännische, fachliche und soziale Kompetenz? Ist der Nachfolger in der Lage Entscheidungen zu treffen? Funktioniert das Delegieren? Weitere Punkte wie etwa Gesprächsbereitschaft, Konfliktfähigkeit und Durchsetzungsvermögen sind zu bewerten. Final ist es nicht entscheidet ob es eine Unternehmensnachfolge innerhalb einer Familie ist oder ob das Unternehmen einen externen Nachfolger erhält. Wenn die grundsätzlichen Rahmenbedingungen stimmen, funktioniert entweder beides oder es scheitert beides.

An was ist bei Unternehmensnachfolge aus Altersgründen zu denken?

  • Das Unternehmen sollte auf die Übergabe vorbereitet werden. Dazu gehört auch, die Firma wirtschaftlich auf ein gesundes Fundament zu stellen. Sie sollte rentabel sein und zugleich wettbewerbsfähig. Ist dies zum aktuellen Zeitpunkt nicht der Fall, ist zu prüfen inwieweit diese Situation durch weitere Investitionen herbeizuführen ist.
  • Zur Unternehmensnachfolge gehört immer auch die Übersicht über die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen. An einer Nachfolgelösung hängt viel und ohne Expertise können Stolpersteine im Nachgang ungemütlich werden. Ist es bei der Unternehmensnachfolge ggf. interessant die Rechtsform der Firma vorab zu wechseln? Welche Behaltensfristen treten dabei auf? Hier eine Checkliste zu Behaltensregelungen nach § 13 a Abs. 5 ErbStG.
  • Reicht die bestehende Altersvorsorge bereits oder ist der Erlös aus der Unternehmensnachfolge ein entscheidender Faktor fürs Alter? Dieses Wissen spielt auch auf emotionaler Ebene eine sehr wichtige Rolle. Hiervon hängt u.a. der Verhandlungsspielraum ab. Auch ist der richtige Zeitpunkt der Veräußerung wichtig der Termin für die Auszahlung.
  • Gibt es Erben, müssen die erbrechtlichen Regelungen überprüft werden. Damit einhergehend auch die Ansprüche der Erben.
  • Soll es ein sofortiger und kompletter Ausstieg aus dem Unternehmen sein? Auch hier gibt es unterschiedliche Optionen die Nachfolge zu lösen. Oft bleiben Unternehmer noch Monate oder Jahre dem Unternehmen erhalten. Etwa im Beirat oder sogar noch in der Geschäftsführung. Dadurch wird die Übergabe an den Nachfolger erleichtert, da dieser mehr Zeit hat das Unternehmen allumfassend kennenzulernen.

Viele Fragen der Nachfolgeregelung sind allgemein und betreffen die Nachfolge im Alter genau wie die Nachfolge in jedem anderen Lebensabschnitt. Deshalb sind die hier befindlichen Punkte ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Wie lange dauert eine Unternehmensnachfolge?

Prinzipiell ist die Dauer der Unternehmensnachfolge stark von der Vorbereitung abhängig. Und davon, ob der gesamte Planungsprozess mit in die Dauer einfließt oder getrennt betrachtet wird. Ohne den Planungsprozess dauert die Nachfolge zwei bis vier Jahre. Früher als zwei Jahre ist eine Unternehmensnachfolge nur in seltenen Fällen wirklich vollständig abgeschlossen. In dieser Phase ist der Senior-Unternehmer oft noch an vielen Prozessen beteiligt und wird für dessen Abwicklung benötigt. Auch ist oft die weitere Geschäftsführung durch den Unternehmer sinnvoll, der diese dann Schrittweise an seinen Nachfolger übergibt.

Ist Unternehmensnachfolge ein Unternehmensverkauf?

Ja, im Grunde schon. Jedoch assoziiert die Industrie mit dem Unternehmensverkauf meist die vollständige Trennung zwischen Unternehmer und Firma. Bei der Nachfolge denkt man flexibler. Hier geht es vom Verkauf der Minderheit bis hin zur Mehrheit oder dem vollständigen Firmenverkauf. Eine geregelte Nachfolge erfordert aus strategischer Sicht häufig den befristeten Verbleib des Unternehmers in der Firma, damit die nächste Management-Ebene oder Generation, einen sauberen Übergang schafft. Unternehmensnachfolge bezieht sich meist auf den Verkauf der Mehrheit.

Bild: Waage, Andreus – ID: 13173055 / depositphotos.com