Schreckgespenst Penguin 2.0 – alles halb so wild

Vor ein paar Tagen wurde das Google Penguin 2.0 Update ausgerollt. Der Automatismus in uns Menschen zwang viele Seitenbetreiber dazu sich in der SISTRIX Toolbox (wahlweise natürlich in einem anderen Tool) einzuloggen und den Sichtbarkeitsindex einer jeden Domain zu prüfen. Und an dieser Stelle entpuppte sich das ominöse Tier als Schreckgespenst. 40, 50 oder 60 Prozent Sichtbarkeit verloren? Als wäre das Wetter nicht schon dramatisch genug.

Auf dem Chart ist ein Verlust von 58 Prozent in der Sichtbarkeit zu sehen. Bei solch einem Verlust sollte man schon davon ausgehen von einem Google Update unter die Räder gekommen zu sein. Ist die Domain auch, allerdings ist das nicht schlimm. Warum, versuche ich mal anhand noch anderer Werte zu erläutern.

Unique Domains in den TOP 100 | Quelle: sistrix.de

Google hat letztes Jahr die Anzahl der Domains in den TOP 100 zu einem Suchbegriff dramatisch verringert. Teilweise waren es nur noch knapp 50 Domains die sich 100 Positionen in Google aufteilten. Aufmerksame Seitenbetreiber werden das auch selbst gespürt haben. Man rankte plötzlich nicht mehr nur mit einer Seite in den TOP 10, sondern hatte auch noch andere Seiten auf Seite 2, 3 etc. in Google zum gleichen Suchbegriff. Dieses Phänomen entstand vor allem bei jenen Webseiten des kleineren Formats, welche sich mit dem Thema „Kannibalismus“ bei internen Verlinkungen und der Content-Relevanz nicht auseinandersetzten. Wer da sauber gearbeitet hat, merkte eventuell nichts von den Änderungen in 2012.

Nutzen wir die Gunst der Stunde und schauen bei gezeigter Domain mal auf die Anzahl der indexierten Seiten in Google.

Wie man sieht, sieht man nichts. Es hat sich nichts getan und die Entwicklung der indexierten Seiten ist ganz stabil. Gucken wir uns nun die Verteilung der Rankings innerhalb der ersten Suchergebnisseiten mal an.

Jetzt wird es spannend. Wer dieses Chart betrachtet denkt oft nicht über den Tellerrand und vergisst einen wichtigen Faktor. Es geht hierbei um die prozentuale Verteilung. Sprich, wenn sich die Gesamtzahl der Rankings in den TOP 100 verändert, schwankt das gesamte Chart. Anders würde es bei einer absoluten Verteilung wirken. Bedeutet, was man hier sieht ist optisch eine eindeutige Verschlechterung im Vergleich zum Zeitraum vor dem Update. Jetzt blicken wir parallel auf die Anzahl der Rankings.

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Über 100 Rankings sind für die Domain neu hinzugekommen. Dadurch verändert sich die Berechnungsgrundlage für die Verteilung entscheidend. Blickt man in die Listen mit den Gewinnern und Verlierern, sowie den neuen und den weggefallenen Keywords, wird man ein sehr ausgeglichenes Verhältnis feststellen.

Klar ist etwas passiert beim Penguin 2.0 Update jedoch sollte man nicht anhand der Sichtbarkeit einen Aufschrei proben. Der wichtigste Faktor ist und bleibt doch der Traffic.

Warum der Anstieg der Rankings?

Wie schon geschrieben, hat Google die Anzahl der unterschiedlichen Domains pro Suchbegriff wieder erhöht. Und zwar auf ein extrem hohes Niveau. Dadurch wurden bei nahezu jeder Domain in den SERPs wieder Plätze frei. Diese Plätze nahmen andere Domains ein. Dies führt dann zur Steigerung der Rankinganzahl aber verursacht nicht gleichzeitig einen Traffic-Anstieg. Bevorzugt wurden Positionen im Hinterland gefüttert.

Fazit

Google hat mit dem Update nicht nur SPAM im klassischen Sinne bekämpft (denn auch das haben sie teilweise geschafft) sondern auch den Index gesäubert. Denn Nutzer brauchen einfach nicht drei oder mehr Ergebnisse einer Domain pro Suchbegriff. Schon gar nicht dann, wenn dies auf technischen Schwächen der Seitenbetreiber basiert anstatt auf relevanten Content.

Also, keine Panik vorm Schreckgespenst sondern einfach in den Traffic und auf die Umsatzzahlen schauen. Danach in die Tiefenanalyse mit einem Tool und dann überblickt man auch alles.

Weiterführende Quellen zum Thema

Beachtet auch die Meinungen und Daten anderer Blogger. Hier geht jeder anders an die Updates und Analysen heran. Deshalb ist es immer wichtig über den Tellerrand zu schauen und nicht nur Beiträge eines Bloggers alleinstehend zu bewerten. Viel Spaß dabei.

Hast Du Webseiten die von Pengiun 2.0 wirklich getroffen sind, also wo Du auch beim Traffic einen echten Verlust verzeichnest?

Wenn Dir der Artikel gefallen hat, würde ich mich freuen wenn Du ihn auf Facebook & Co. Deinen „Freunden“ weiterempfiehlst. Dies regt die Diskussionen zum Thema noch mehr an und bringt für jeden eventuell neue Erkenntnisse.

Über Soeren 450 Artikel
Ich bin Soeren, Blogger und Betreiber von eisy.eu. Über die Jahre hat es sich ergeben, dass mich viele einfach eisy nennen. Das ist okay. :-) Ich blogge seit 2005 und teile hier mein Wissen und meine Erfahrungen.

19 Kommentare

  1. Stimme deinem Fazit absolut zu Soeren! Insbesondere dein Screenshot des Rankingvergleichs und der der zeitlichen Entwicklung der Rankings sind mir in den letzten Tagen häufiger unter gekommen.

    Dein Fazit das der wichtigste Faktor der Traffic ist, würde ich noch um das Argument Conversion erweitern. Denn wenn man mit einem Suchbegriff bspw. bereits auf Platz 1 ist, dass Snippet optimiert hat und nicht mehr Traffic auf diesen Suchbegriff erreichen kann, ist es die Conversion-Optimierung die am Hebel für mehr Leads sitzt.

    PS: Wir sehen uns bei der M3 Campixx ;o)

    • Puh… ich gebe mir Mühe und stelle es „einfach“ dar und dann kommst Du in den Kommentaren mit Conversion-Optimierung daher. 😛 😉

      Natürlich hast Du Recht, aber ich wollte es jetzt nicht übertreiben. 😀

      Jawoll, wir sehen uns auf der M3 und ich freue mich drauf.

  2. Hast du echt gut erklärt das Google-Update. Ich mache mich um sowas eigentlich nicht so verrückt. Wovor sollten wir ehrlichen Seitenbetreiber uns auch fürchten, die guten Content erstellen? Ich bezweifle, dass Google solche Seiten runterzieht.

    Gut hat mir auch dein zweiter Blick gefallen, dass man nur Panik schieben sollten, wenn sich an den eigentlichen Werten (Besucher, Conversion, etc.) etwas auf einmal plötzlich ändert.

    • ich schließe mich da an, die ehrlichen Seitenbetreiber, die brav ihren eigenen Content schreiben und keine „bösen Sachen“ hinten rum treiben, die brauchen keine Angst vor einem Google Update haben.

  3. Nichtsdestotrotz hat sich der Sichtbarkeitswert in deinem Bespiel stark verringert. Und das lässt sich ja nicht damit erklären, dass in der hinteren SERPs einige Keywords dazugekommen sind.
    Es ist also davon auszugehen, dass bei Keywords, die viel Sichtbarkeit ausmachen, Positionen eingebüßt wurden.
    Ob dadurch auch entsprechend weniger Besucher die Seite besuchen, ist eine andere Frage, wie du ja auch erläutert hast…

    • Natürlich sind vorne auch Rankings verloren gegangen. Das habe ich auch im Beitrag so geschrieben. Es kamen aber auch wieder viele dazu. Sowohl vorne als auch hinten. Nur kommt es – wie du auch schreibst – immer darauf an wie stark diese im Sichtbarkeitsindex eine Rolle spielen. 🙂

      Das der Sichtbarkeitsindex gesunken ist kann man nicht bestreiten. Zeigt ja das Bild. 🙂

  4. Tobis Kommentar ist genau meine Einstellung/bzw. meine Meinung zum Google-Update. Ich mach mir da keine Panik.
    Danke für deinen Artikel darüber, der ist dir echt gelungen!

  5. Ich hatte auch bereits schlechte Erfahrungen gemacht mit dem Penguin Update. Sind komplett verschwunden mit allen Begriffen. Nach einer gewissen Zeit dann aber wie aus dem Nichts wieder aufgetaucht.

  6. Moin Eisy,

    schöner Artikel und ich gebe Dir vollkommen Recht! Erst nachdenken und dann weinen 😉 Bei uns ist das Bild vom Sichtbarkeitsverlust her eher gering, aber auch wir haben eine extremen Anstieg an Keywords (fast 30%) gefahren, dass das dann den SI um 10% sinkt, ist logisch. Leider bin ich da erst durch dich drauf aufmerksam geworden. Danke!

    Kleine Anmerrkung: Ich finde, wer nach Pinguin 1.0 seine Arbeitsweise nicht geändert hat, darf sich meiner Meinung nach auch nicht wundern – von einem 2,3 oder 4 Update eine rein zu bekommen 😉

    Bis zur M3!

  7. Hi Sören,

    schick. Ehrlich. Finde ich gut. Das kommt mir selten über die Lippen, aber in letzter Zeit häufiger.
    Zu dem einen oder anderen Ergebnis (Domain) habe ich mir doch noch die Abstiegskeys angesehen und als Tipp habe ich für alle, die sich das jetzt mal anhand der eigenen Daten anschauen, dass man im Grunde dort ansetzen sollte und die abgestiegenen Keys wieder nach oben ziehen sollte gemeinsam mit den neuen (kann man bei SISTRIX auch ganz schick rausziehen), denn dann wird die Sichtbarkeit deutlich höher steigen, als noch vor dem Update.
    Zu den vielen Suchergebnissen einer Domain innerhalb der SERPs: Wenn wir nun sehen, dass diese zum Teil nicht mehr da sind, aber stattdessen die Anzahl der Keys einer Domain nach oben schnellen, kann man schlussfolgern, dass die Veränderung der SERPs in 2012 die Vorbereitung für zwei initiale Stellschrauben am Algo waren (Thema: Datensammlung) – letzter Panda (#25) und aktueller Pinguin haben die Auswirkungen gezeigt.

    All the best & viel Spaß auf der M3, kann leider nicht kommen … 🙁

  8. Ich hatte ja das schlimmste erwartet bei 2 Hobby-Projekten von mir, aber bis her nichts. Eher im Gegenteil bei ein paar Keywords habe ich sogar von Penguin 2.0 profitiert. Ich hoffe mal, dass es so bleibt. Danke für deinen ehrlichen Artikel.

    Viele Grüße

  9. Bei meinem Projekt sind es im Vergleich zu letzter Woche schon bedeutend weniger Besucher, aber im Gegensatz dazu ist die Conversation gestiegen. Wenn jetzt noch die Besucher wieder kommen und die CR bleibt, bin ich zufrieden. 🙂

  10. Zur Panik gab es eigentlich kein Anlass, es sei denn, man hat unsauber gearbeitet. Aber eine gute, cleane Seite bleibt eben auch noch nach einem Update eine gute Seite.

  11. Zwei Sachen:
    1. Wenn im Index wieder mehr Domains gezeigt werden, dann müsste doch die Domain erst mal weiter nach oben klettern. dh der Sichtbarkeitsindex müsste zunehmen. Wenn er jetzt abnimmt heißt es doch, dass die Domain davon nicht profitiert hat, sondern noch mehr andere Domains an ihr vorbeigezogen sind, als sie durch den ersten Effekt gewonnen hat. -> Also ist das ja noch schlechter geworden.

    2. Was meinst du mit „Kannibalismus“ bei internen Verlinkungen? Etwa, dass es für rankende Seiten schlecht ist wenn sie viele ausgehende interne Links haben?

  12. Es ist zwar jetzt ein paar Tage her, dass ich den Artikel gelesen habe, aber ich muss dir einfach mal danken. Ich hatte die Zahlen auch so vor mir und war mir auch sicher, dass die Dinge zusammenhängen. Als ich den Artikel dann las, hat plötzlich alles einen Sinn ergeben. Sehr befreiend, danke. Top Analyse 🙂

  13. Hmmm, nach diesem Artikel bin ich beruhigt. Habe eine Domain, die es im ähnlichen Ausmaß erwischt hat. Aber bisher kein Traffic-Verlust… Bei näherem hinsehen, scheint dein obiges Beispiel genau zu zutreffen.

    Der neue Penguin war deutlich weniger heftig als erwartet. Das kann natürlich auch daran liegen, dass ich meine Praktiken angepasst habe 😀

    Danke trotzdem für den Artikel!

  14. „sich mit dem Thema „Kannibalismus“ bei internen Verlinkungen und der Content-Relevanz nicht auseinandersetzten“

    Hallo, sehr spannender Artikel – wo kann ich denn mehr über die angesprochenen Themen lernen? Grüße C

  15. Interessant ist es eigentlich bei den Seiten die trotz Verluste der 2. und 3. Rankings mit einem Keyword (und folglich alleine dadurch schon SI-Verluste haben) trotzdem Steigerungen im Sichtbarkeitsindex erzielen konnten. Heist logischerweise, dass Google die Seiten nicht nur mit den bestplatzierten Rankings nach vorne geschoben hat, sondern wahrscheinlich auch mit vielen weiteren Begriffen.
    Das Wichtigste ist aber logischerweise der Traffic. Interessant das einige über eine negative Sichtbarkeitskurve bei Sistrix klagen, aber kein bischen weniger Traffic haben.

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