Ratgeber schreiben: So funktioniert es

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Überall im Internet sind sie in den verschiedensten Formen zu sehen: So genannte Ratgeber. Ob als One-Pager, als kostenpflichtige oder auch kostenlose E-Books, ob als PDF’s zum Downloaden oder in Form von Fortsetzungsartikeln. Eines haben sie zumindest in der Theorie gemeinsam: Sie sollen Besucher, die sich neu in ein Thema einarbeiten wollen oder sich umfassend informieren möchten, durch die umfangreiche Bereitstellung von Infos, Tipps, Tricks und Empfehlungen, in ihrem Bemühungen unterstützen.

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Differenzierung: Print-Ratgeber vs. Online-Ratgeber

Bevor ich dir jetzt lang und breit erzähle, wie du einen Ratgeber meiner Meinung nach schreiben solltest, ist es wichtig, eine einigermaßen klare und nachvollziehbare Definition für den Begriff Ratgeber, so wie ich ihn im weiteren Verlauf des Artikels verstanden wissen will, zu schaffen. Dazu möchte ich an dieser Stelle eine Abgrenzung zu den Ratgeber-Formen vornehmen, wie du sie vielleicht aus Printmedien kennst.

Regelmäßig erscheinende Ratgeber-Beiträge

In Zeitungen und Zeitschriften handelt es sich bei Ratgebern meistens um regelmäßig (je nach Periodikum täglich, monatlich oder wöchentlich) erscheinende Artikelserien oder Seiten, in denen eine bestimmte Frage aufgegriffen und gezielt beantwortet wird. Dabei geht es selten um banale Fragen, die sich mit einem Satz beantworten lassen, sondern um komplexere Sachverhalte, die gern mehr als einen Lösungsweg zulassen, in jedem Fall aber einer eingehenderen Erläuterung des Gegenstands bedürfen (zum Beispiel: „Was mache, ich, wenn der Baum des Nachbarn aufgrund eines Sturms auf mein Grundstück stürzt und meinen Zaun demoliert?“ Oder „Wie mache ich die Pendlerpauschale bei der Steuererklärung geltend?“).

Diese Art von Ratgeber kann auf einer Webseite im Rahmen einer Artikelserie oder einer Kategorie durchaus abgebildet werden. Wenn Soeren auf seinem Fahrradblog über Trainingsmethoden schreibt oder auf schildkroete.net eine eigene Kategorie über Gesundheit der gepanzerten Reptilien anlegt, so können die dort verfassten Artikel durchaus als kleine Ratgeber gewertet werden. So weit, so gut – allerdings ist das nicht die Sorte von Ratgeber, um die es später in diesem Artikel gehen soll.

Umfangreichere Ratgeber-Artikel

Eine andere Variante ist die wöchentliche Beilage in Tageszeitungen, die in der Regel in der Samstagsausgabe erscheint und sich meistens mit Aspekten rund um die Themen Bildung und Beruf, Immobilien, Reise, Auto und Finanzen befasst. Hier wird ein Thema beziehungsweise ein Unterthema aus einem größeren Zusammenhang eingehender beleuchtet.

In gewisser Weise wird das auf Webseiten mit thematischem Anspruch auch gemacht. Und zwar simpel mit ausführlicheren Artikeln, die sich mit einem Thema beschäftigen. Diese können auch bereits Ratgebercharakter haben, wenn sie Fragen und Problemstellungen beantworten und auflösen.

Ratgeber in unserem Sinne

Ich will an dieser Stelle gar nicht zu viele Worte darüber verlieren, denn im Verlauf der nächsten Abschnitte wird noch ausführlich beschrieben, wie ein Ratgeber für das Netz oder eine digitale Publikationsform nach meinem Verständnis aussehen sollte. Daher hier in aller Kürze:

Ein Ratgeber, der auf Webseiten oder in digitalen Medien publiziert wird, sollte eine umfang- und facettenreiche Auseinandersetzung mit einem Thema darstellen. Anleitungen, Do’s and Don’s, Anwendungsbeispiele, grafische und audiovisuelle Bestandteile können Teil eines Ratgebers sein. Der große Vorteil von digitalen Ratgebern gegenüber den in Printmedien erscheinenden Pendants ist die Möglichkeit der schnellen und unkomplizierten Aktualisierung und Überarbeitung. Aktualität ist ein wichtiges Kriterium für einen Online-Ratgeber.

Themenfindung: Wann ist es sinnvoll, einen Ratgeber zu schreiben?

Ich möchte diese einleitende Passage mit einem Zitat beginnen:

[box]»Kuck mal hier!«, sage ich und halte ein neues Buch in die Luft. »Das ist doch toll!«

Der Ratgeber-Ratgeber

So schreiben Sie einen Ratgeber

Ich drehe das Buch um und lese den Klappentext: »Wie die vier apokalyptischen Reiter fallen Flexibilisierung, Entfremdung, Sicherheitsverlust und Erfolgsdruck über die Postmoderne her und hinterlassen unter den Trümmern der Traditionen eine zutiefst verunsicherte, orientierungs- und ratlose Gesellschaft. Unerreichbare, massenmedial verbreitete Idealbilder von Schönheit, Coolness und Glück machen die Krise des eigenen Selbst zu einem Automatismus. Profitieren auch Sie vom Klima der Angst! Schreiben Sie jetzt einen Ratgeber!«

Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Chroniken. Ansichten eines vorlauten Beuteltieres. [/box]

KangarooAls ich mich an diesen Artikel setzte, musste ich unwillkürlich daran denken, und wollte es dir deswegen auch nicht vorenthalten. Zumal dieses Zitat ja auch wirklich einige Wahrheit in sich birgt, wenn man mal durch die örtliche Buchhandlung stöbert – und mich zu meiner ersten Kernthese führt.

Schreibe einen Ratgeber nur dann, wenn du dich mit dem Thema auskennst und dafür brennst! Du musst nicht zwingend den Expertenstatus haben, aber Profi solltest du mindestens sein.

Die Gründe liegen auf der Hand: Nur wenn du selbst ein großes Know-How zu einem Thema besitzt, kannst du andere belehren und ihnen helfen. Und zwar nicht nur auf der Basis dessen, was du und jeder andere in Fachliteratur oder im Internet recherchieren und nachlesen kann, sondern auch und vor allem auf der Basis deiner eigenen Erfahrungen und des Wissens, dass du dir selbst durch die exzessive Beschäftigung mit deinem Thema angeeignet hast. Das bedeutet zwar nicht, dass du gängige Meinungen und Publikationen anderer Experten außer acht lassen solltest! Aber indem du deine eigenen Erkenntnisse einbringst, triffst du nicht nur vielleicht eher den Nerv und das Bedürfnis deiner Leser, sondern tust auch etwas für deine eigene Reputation.

Die (schriftliche) Auseinandersetzung mit einem Thema, mit dem du dich selbst gut auskennst, wird dir leicht fallen und dich vergleichsweise wenig Zeit kosten. Vergleichsweise? Ja, denn müsstest du erst alle Fakten mühevoll von verlässlichen Quellen recherchieren, diese sinnvoll zueinander in Bezug setzen und in eigenen Worten beziehungsweise in zahlreichen, von eigenem Text umrahmten Zitaten, wiedergeben. Ich sage nicht, dass dies eine unlösbare Aufgabe ist. Aber sie ist langwierig und zermürbend. Darüber hinaus wird die Lesbarkeit des Ergebnisses zwangsläufig darunter leiden. Selbst wenn du kein literarisches Genie ist: Man merkt einem Text immer an, ob er wirklich aus einer persönlichen Perspektive geschrieben wurde, oder ob es sich „nur“ um ein zusammengetragenes Fakten-Konglomerat handelt.

Welches Ziel verfolgst du mit deinem Ratgeber?

Ich bin zwar geneigt zu glauben, dass du einfach zu viel Zeit hast und deinen Ratgeber aus reiner Hilfsbereitschaft und selbstloser Nächstenliebe publizieren willst. Aber ein paar Jahre Erfahrung im Online-Marketing und SEO haben bei mir zu der traurigen Erkenntnis geführt, dass kaum jemand etwas umsonst tut. Damit will ich nicht sagen, dass es nicht legitim sei, für seine Arbeit auch etwas zu erwarten. Allerdings solltest du dir dann auch im Vorfeld Gedanken darüber machen, da die Antworten darauf auch die Art und Weise beeinflussen, wie dein Ratgeber am Ende aussieht.

Reputation aufbauen

Du willst dich selbst als Experten etablieren und dir deinen Platz an der Tafelrunde der Fachleute zu deinem Thema sichern, möchtest Anerkennung und künftig bei Fragen zum Thema konsultiert werden? Dies kannst du erreichen, wenn dein Ratgeber von einem breiten Zielpublikum wahrgenommen wird.

Links aufbauen

Seit Jahren predigen wir Kunden und Kollegen nun das Wort „Linkanreiz“. Es bedeutet die Schaffung von Inhalten auf einer Webseite, die für andere Menschen verlinkenswerte Ziele darstellen. Auf diese Weise kann ein Seitenbetreiber natürliche Links einsammeln, welche die Konkurrenz nicht oder nur schwer erhält und die aufgrund ihrer Natürlichkeit und ihrer Qualität Gewicht bei Google haben. Ein Ratgeber kann ein solcher Linkanreiz sein. Auch ist es denkbar, anderen Seiten den Ratgeber als PDF zum Download o.Ä. zur Verfügung zu stellen – im Austausch gegen einen Link auf dich (bzw. deine Seite).

Geld verdienen

Je nachdem, wie dein Geschäftsmodell aussieht, können bereits Reputation und Links dein Einkommen verbessern, nämlich indem du allgemein neue Kunden gewinnst. Aber natürlich kannst du auch direkt die Früchte deiner Arbeit genießen, indem du deinen Ratgeber gegen Entgelt anbietest. Hierfür stehen dir neben deiner eigenen Webseite mehrere Publikationsplattformen zur Verfügung. Dazu gehören unter anderem

Tipp: Sorgfalt solltest du in jedem Fall bei der Erstellung deines Ratgebers waten lassen. Aber vor allem dann, wenn du ihn gegen bare Münze feilbietest, ist es in deinem eigenen Interesse, die Fakten genau zu prüfen und dir in allen Belangen die größte Mühe zu geben.

Für die Themenrecherche: Leser und Nutzer einbeziehen

Gerade als Experte verliert man schon mal den Blick für die kleinen Aspekte eines Themas, weil es einem so in Fleisch und Blut übergegangen ist. Das ist zwar verständlich, kann aber zu Frustrationen seitens der Leser führen, wenn der entstandene Ratgeber voller Lücken ist. Dadurch werden auch häufigere und weitreichendere Überarbeitungen notwendig, was wiederum dich als Autor frustriert und schlimmstenfalls dazu führt, dass du den Ratgeber brach liegen lässt und dadurch Leser und Fans verlierst.

Diesem Übel kannst du ganz einfach vorbeugen, indem du deine Leser und Nutzer von Anfang an in die Entstehung des Ratgebers einbeziehst. Du kannst zum Beispiel Fragen und Kommentare zu früheren Artikeln sammeln, wenn du solche regelmäßig veröffentlichst und den Austausch mit deiner Leserschaft pflegst. In diesem Fall wird dir zwar die Arbeit nicht erspart bleiben, dich durch alte Artikel und Kommentare zu arbeiten – aber es ist der Mühe wert. Und vielleicht gewinnst du bei der Durchsicht vergangener Artikel ganz von selbst neue Impulse für deinen Ratgeber.

Eine andere Möglichkeit, die dir schnell viele Hinweise darauf liefern kann, was sich Interessenten für deinen Ratgeber wünschen, ist die direkte Nachfrage. Dies kann auf mehrere Arten erfolgen, abhängig davon, wie du mit deinen Nutzern für gewöhnlich kommunizierst.

  • Kündige den Ratgeber in einem eigenen Artikel an und bitte um Feedback („Was wünscht ihr euch für diesen Ratgeber? Welche Themen sollten behandelt werden?“)
  • Baue einen Aufruf in den nächsten Newsletter ein oder kreiere eine eigene Newsletter-Ausgabe zu diesem Zweck
  • Parallel solltest du den Aufruf auch in den sozialen Netzwerken posten, in denen du dich bewegst

Um das Feedback zu verbessern, kannst du dich verschiedener Kniffe bedienen. Hast du vor, den Ratgeber nach seiner Fertigstellung gegen Bezahlung anzubieten? Dann offeriere denjenigen, die sich durch das Einbringen konstruktiver Vorschläge an seiner Entstehung beteiligen, einen Rabatt oder sogar ein Gratis-Exemplar. Alternativ kannst du auch ein Gewinnspiel starten und unter allen Einsendern von Vorschlägen ein paar Gewinner auslosen. Manchmal genügt es auch, ein wenig autorschaftlichen Ruhm zu teilen; so kannst du die Namen der Helfer im Dankesteil des Ratgebers erwähnen oder vorab anbieten, die Teilnehmer mit ihren Webseiten in einem späteren Beitrag auf deiner Seite vorzustellen, wenn sie das möchten.

(Weitere) Experten hinzuziehen

Um zu illustrieren, worum es mir in diesem Abschnitt geht, ist ein weiteres Zitat geeignet.

[box]„Ein gescheiter Mann muss so gescheit sein, Leute anzustellen, die viel gescheiter sind als er.“

John Fitzgerald Kennedy[/box]

Dieser Ausspruch lässt sich in gewisser Weise auch wunderbar auf die Erstellung deines Ratgebers anwenden. Denn es kann immer vorkommen (und ist sogar sehr wahrscheinlich), dass es mindestens Teilthemen gibt, in denen andere Menschen aus deinem Milieu und Fachbereich besser bewandert sind als du. Das können Kollegen sein, aber auch Juristen, Universitätsprofessoren, Ärzte, Nerds oder Tüftler – eben je nach Thema. Solltest du einmal an der einen oder anderen Stelle stocken oder das Gefühl haben, denen Gegenstand nicht adäquat erklären bzw. Fragen nicht hinreichend beantworten zu können, kannst du selbstverständlich nach Hilfe in der einschlägigen Fachliteratur suchen. Noch authentischer und wertvoller wird es aber, wenn du dir für deinen Ratgeber eben genau solche Experten ins Boot holen kannst. Vielleicht bist du aufgrund deines Interesses mit dem Thema ja schon mit dem einen oder anderem von ihnen bekannt? Dann fällt die Kontaktaufnahme natürlich leicht, und auch die Aussicht, dass du auf dein Hilfegesuch ein positives Feedback erhältst, ist größer. Aber auch, wenn dem nicht so ist, solltest du es auf einen Versuch ankommen und dich an diejenigen wenden, die dir helfen können. Wenn es sich dabei um renommierte Experten von Rang und Namen handelt, wirst du als Nennung dieser Leute als Co-Autoren sogar für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgen.

Ich habe es nicht selten erlebt, dass gerade Experten aus Akademiker-Kreisen gern Fragen (auch und gerade per E-Mail) beantworten. Wenn es sich allerdings um eine weitreichendere Zusammenarbeit handelt (z.B. wenn du dir die Erstellung eines ganzen Kapitels deines Ratgebers durch den Experten erhoffst) wirst du bestenfalls ein wenig Geduld mitbringen müssen. Eventuell hat der Experte für derlei Zusammenarbeit aber auch keine Zeit oder erwartet ein Honorar für seine Hilfe. Hier musst du natürlich abwägen, was dir die Sache wert ist. (bedenke, wie bereits angedeutet, dass ein großer Name auch förderlich für das gesamte Projekt sein kann und sich die Investition daher doppelt lohnen kann) Für diesen Fall kann es auch ratsam sein, im Zuge der ersten Kontaktaufnahme gleich um die Empfehlung von Fachliteratur zu bitten. Damit weißt du immerhin auch gleich, wo du weiterlesen kannst, wenn keine direkte Zusammenarbeit zustande kommt.

Dieses Szenario beschränkt sich natürlich nicht auf die genannte „Kaste“ von Experten. In jedem Fall solltest du dir die Mühe machen, vor der Kontaktaufnahme etwas zu recherchieren und zu schauen, was sich über den Experten in Erfahrung bringen lässt. Privates hat dabei tabu zu bleiben; aber indem du ein Bild von dem Werdegang und der Profession deines Gegenübers im Kopf hast, kannst du auch besser abwägen, wie du am besten an ihn herantrittst.

Das Thema von allen Seiten betrachten

Egal, ob du einen Ratgeber über ein komplettes Thema (Beispiel: Modelleisenbahnen) oder lediglich einen Teilaspekt eines komplexen Themas schreiben möchtest (Beispiel: Anschaffung, Wartung und Pflege von Modelleisenbahnen der Marke Märklin aus der IV. Epoche [1970-1990]): Behandle es so ausführlich und detailliert wie möglich. Der journalistische Grundsatz: „Sei dir darüber im Klaren, dass der Leser keine Zeit hat.“ kommt hier nicht zur Anwendung, denn es handelt sich bei einem Ratgeber nicht um eine News oder einen Artikel wie diesen hier. Der Leser möchte sich umfassend informieren, Dinge wieder nachschlagen und nachvollziehen können. Für die Schnellscanner, die nur eine Antwort auf eine spezifische Frage benötigen, gibt es das Inhaltsverzeichnis (oder, wenngleich online schwieriger zu realisieren, das Schlagwortverzeichnis, wobei das altbewährte Steuerung +F hier ja Abhilfe schaffen kann).

Planung per Mindmap

Je komplexer und vielschichtiger das Thema deines Ratgebers wird, desto wichtiger ist es auch, dass du dir vorher ein Konzept und eine Gliederung für die Erstellung des Ratgebers schaffst. So vermeidest du, dich zu verzetteln, zu wiederholen oder einzelne Aspekte zu vergessen. Ich persönlich arbeite dabei gern mit einer Mindmap. Die kann man sich einfach auf ein Blatt Papier malen (geht schneller und kann leichter „editiert“ werden). Aber da ich weiß, dass einige Leser jegliches analoge Hilfsmittel verabscheuen: Hier gibt es ein schmuckes kleines Gratis-Programm, mit dem du Mindmaps am PC oder Mac erstellen kannst.

Beispiel einer mit Xmind erstellten Mindmap
Beispiel einer mit Xmind erstellten Mindmap

Um deine Mindmap zu füllen, kann ich die klassische Brainstorming-Methode empfehlen: 5 – 10 Minuten Zeit nehmen und alles aufschreiben, was dir zu deinem Thema einfällt. Anschließend ordnest und sortierst du die Gedanken und fügst die Mindmap Stück zu Stück zusammen. In diesem Arbeitsschritt werden dir auch weitere Dinge einfallen, die du selbstverständlich ergänzen kannst und solltest. Zum Abschluss kann es nicht schaden, die fertige Struktur Freunden oder Kollegen zu präsentieren. Vielleicht bringen sie dich noch auf die eine oder andere Sache, die du vergessen hast.

Die fertige Struktur deines Ratgebers sollte sich dann auch in deinem Inhaltsverzeichnis widerspiegeln. Finde passende Überschriften für die Kapitel und die jeweiligen Unterpunkte. Diese Überschriften sollten im Inhaltsverzeichnis per Anker mit den dazu gehörenden Punkten verlinkt werden. Dies lässt sich in einem PDF-Dokument beispielsweise einfach realisieren. Für die WordPress-Nutzer unter euch kann ich das Plugin Table of Content Plus sehr empfehlen.

Den Leser an die Hand nehmen und nicht überfordern

Die besten Tipps, Tricks und Informationen nützen deinem Leser nichts, wenn er sie nicht nachvollziehen kann, weil du nur kryptisches Kauderwelsch von dir gibst. Um dies zu vermeiden, hilft nur Selbstkontrolle beziehungsweise das Einholen einer objektiven Meinung. Denn dir als Experte fällt vielleicht gar nicht mehr auf, dass du beständig in Fachjargon abgleitest oder das Pferd beim Schwanz aufzäumst. Vor allem, wenn du dich mitten im Schreibfluss befindest, passiert derlei schnell. Natürlich gibt es am Ende des Schaffensprozesses noch das Korrektorat und Lektorat (siehe letzter Punkt in diesem Artikel). Wenn du jedoch während des Schreibens einige Grundregeln beachtest, gibt es nach hinten raus weniger Arbeit für dich und deinen Lektor.

Hier sind einige Grundregeln, die du beachten solltest.

  • Gehe davon aus, dass der Leser keine Ahnung von der Thematik hat. Dementsprechend solltest du einzelne Aspekte und Zusammenhänge ausführlich und anschaulich erklären. Das gilt auch und insbesondere für Fremdwörter und Fachbegriffe. Im Zweifelsfall kannst du diese Erklärungen im Rahmen von Fußnoten vornehmen.
  • Arbeite nicht nur im Inhaltsverzeichnis, sondern auch im Text mit internen Verlinkungen (Ankern), um dem Leser deines Ratgebers das Nachschlagen und Querlesen zu erleichtern.
  • Solltest du einzelne Begriffe, Aspekte und Sachverhalte nicht erklären können oder wollen (sei es aus Kompetenz- oder aus Platzgründen), ist es keine Schande, auf externe Seiten zu verlinken. Dabei sollte es sich um Seiten handeln, die du zuvor selbst geprüft hast und deren Weiterempfehlung du inhaltlich, rechtlich und moralisch verantworten kannst.
  • Verwende einheitliche Schreibweisen, selbst wenn es mehrere orthographisch korrekte Varianten gibt. Ein häufiger Wechsel wird die Leser nur verwirren.
  • Vermeide Redundanz (=Wiederholungen) in Wortwahl und Formulierungen. Auf das Gesamtwerk bezogen wirst du dich selbstverständlich hier und dort ähnlich ausdrücken. Aber achte darauf, in unmittelbar aufeinander folgenden Sätzen oder Abschnitten nicht beständig die gleichen Vokabeln und Phrasen zu benutzen. Vor allem dann nicht, wenn dir dazu auch passende Synonyme einfallen. Dafür kannst du zum Beispiel ein Thesaurus (https://www.openthesaurus.de) verwenden.

Die Leser begeistern

Es ist sicherlich nicht immer einfach, dieses Ziel zu erreichen. Und schon gar nicht in einem Ratgeber. Denn obgleich das Thema desselben für eine breite Leserschaft von Interesse und Wichtigkeit sein kann, muss deswegen noch lange keine Spannung aufkommen. Je trockener das Thema, desto schwieriger ist es, Begeisterung bei den Lesern zu wecken. Und trotzdem ist es nicht unmöglich. Denn wenn es dir beispielsweise gelingt, sehr komplizierte Sachverhalte so zu erklären, dass auch Laien sie schnell verstehen und nachvollziehen können, so wird allein dies dir die Begeisterung und Anerkennung deiner Leser einbringen. Dass dies wieder zu Weiterempfehlungen und Verlinkungen führt, brauche ich wahrscheinlich nicht mehr zu erwähnen. Und genau dafür ist die Erweckung von Begeisterung auch gedacht, wenn du einen Ratgeber veröffentlicht hast.

Saisonalität je nach Thema bedenken

Es gibt Themen, die zu gewissen Jahreszeiten oder anderen saisonalen Anlässen mehr Aufmerksamkeit und Interesse erregt als zu anderen Zeiten. Du solltest dir überlegen, ob dies auf dein Thema zutrifft, und die Veröffentlichung deines Ratgebers entsprechend planen. Auf diese Weise bleibt dir auch außerhalb der Saison genug Zeit für Recherche, das eigentliche Schreiben, die Korrektur und die Vorbereitung für etwaige Marketingkampagnen etc.
Ein Beispiel: Es ist nicht ratsam, einen Ratgeber zum Thema Lenkdrachen und Drachensteigen im Winter zu veröffentlichen. Da die Hauptsaison für das Drachensteigen im Herbst angesiedelt ist, solltest du mit einem passenden Ratgeber im Spätsommer aufwarten, wenn sich die Drachenfans langsam vorbereiten und Neulinge anfangen, sich Gedanken über die Anschaffung eines Drachens und des benötigten Zubehörs zu machen.

Regelmäßige Überarbeitung einplanen

Die Welt ist im beständigen Wandel. Und das gilt sicherlich auch für den einen oder anderen Teilaspekt des Themas, um das es in deinem Ratgeber geht. Um das Beispiel der Modelleisenbahnen wieder aufzugreifen: Vielleicht gibt es eines Tages eine neue Webseite, die sich mit dem Thema beschäftigt und in die Linksammlung aufgenommen werden sollte. Oder es werden weitere Modelle einer bestimmten Eisenbahn-Serie auf den Markt gebracht, die über neue Features verfügen beziehungsweise mit diesem und jenem Schienentyp nicht kompatibel sind. Lange Rede, kurzer Sinn:

Überprüfe regelmäßig deinen Ratgeber. Sind alle Inhalte noch aktuell, stimmen die Fakten noch, funktionieren ausgehende Links?

Durch diese Maßnahmen vermeidest du nicht nur mögliche Frustrationen deiner Besucher und Käufer. Auch Häme etwaiger Konkurrenten muss zwangsläufig ausbleiben, wenn dein Ratgeber immer auf dem neuesten Stand ist. Außerdem schaffst du auf diese Weise auch Vertrauen in dich und sorgst weiterhin für Wachstum deiner Reputation.

Informationen und Tipps zur Überarbeitung von Inhalten habe ich in dem Artikel „Inhalte überarbeiten – so reift und gedeiht deine Webseite“ zusammengestellt. Der Inhalt lässt sich in mancherlei Hinsicht sicher auch für deinen Ratgeber adaptieren.

Grafische Elemente und audiovisuelle Medien nutzen

  • dienen der Auflockerung, aber vor allem der Erklärung
  • sollten daher sinnvoll gewählt sein
  • Infografiken können besonderen Nutzen haben; diese sollten vorher im Rahmen eigener Überlegungen oder Konzeptionen geplant werden
  • Es gibt mittlerweile mehrere Dienstleister, die sich auf Infografiken spezialisiert haben. Aber wer einen guten Zeichner kennt, kann sich dies auch sparen
Beispiel einer simplen Infografik: Die Ernährungspyramide
Beispiel einer simplen Infografik: Die Ernährungspyramide

Vor der Veröffentlichung: Lektorat und Korrektorat nicht vergessen

Immer wieder zeigt es sich schon bei der Publikation „normaler“ Artikel im Internet, wie an diesem Punkt gespart wird. Die rasende Frequenz, mit der News, Meinungen und Wissen im Netz publiziert werden, fordern rasches Handeln und schnelle Veröffentlichung, wenn man aktuell sein und im Gespräch bleiben will. Dass dabei allzu oft peinliche und vermeidbare Fehler einfach stehenbleiben, scheint fast niemanden zu stören. Und doch leidet die Seriosität des Autors und des veröffentlichenden Mediums darunter, wenn dergleichen häufig vorkommt.

Plane für deinen Ratgeber ausreichend Zeit für ein gründliches Lektorat und Korrektorat ein!

Und zwar solltest du selbst

  • alles noch einmal gründlich lesen und auf Richtigkeit, Semantik, Orthographie und Grammatik prüfen
  • formale Fehler beseitigen und Layout sowie Bilder und Grafiken prüfen
  • einen Abgleich mit deiner Mindmap/ Struktur vollziehen, um sicherzustellen, dass du auch nichts vergessen hast.

Ist dies geschehen, solltest du deinen Ratgeber in professionelle Hände für ein externes Korrektorat und Lektorat geben. Denn vier Augen sehen mehr als zwei. Über die Zielsetzung und Vorstellungen sollte der Lektor vorher von dir unterrichtet worden sein. Nur so kannst du sicherstellen, dass dein persönlicher Stil und deine Formulierungen, die du an dieser oder jener Stelle für unentbehrlich hältst oder die du, wenn dein Ratgeber im Volltext auf deiner Seite erscheint, aus WDF*IDF-Gründen gewählt hast, auch bestehen bleiben.

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10 Kommentare zu Ratgeber schreiben: So funktioniert es

  1. Ich habe so langsam das Gefühl der Ratgeber Markt ist übersättigt. Irgendwie fehlen spritzige Neuheiten die sich abheben und wo man nicht auf den ersten Blick sieht, dass ein finanzieller Nutzen der erste Aspekt des Ratgebers ist.

    • Hallo Daniel,
      Das war auch eines der Dinge, die ich in dem Artikel zum Ausdruck bringen wollte: Schreibe keinen Ratgeber nur um des Ratgebers (oder um des Geldes) willen. Wenn das Thema schon tausendmal aufgegriffen und ausführlich in Form von Ratgebern etc. behandelt wird, brauchst du nicht den tausendundersten Ratgeber schreiben. Entweder solltest du dir im Vorfeld sicher sein, es viel besser machen zu können als deine Vorgänger – oder dir ein anderes Thema suchen. Die im Artikel beschriebene Einbeziehung der Nutzer in die Themenfindung ist dafür recht hilfreich.

      Grüße
      Carsten

    • Da bin ich voll und ganz bei dir!

      Finde es auch immer schade, wenn man verschiedene Texte/Ratgeber liest und bemerkt, dass irgendwie jeder von jedem abgeschrieben hat. Da kommen gar keine neuen Infos mehr hinzu 😞

      Liebe Grüße,
      Jessika

  2. Hallo Carsten, ich finde deinen Ansatz sehr gut. Gerade das „Nur auf Kramp- schnell was schreiben“ um damit versuchen Geld zu verdienen (was in den meisten Fällen ja nunmal der Fall ist). Wenn man sich darauf stürzt selbst einen Ratgeber zu verfassen, sollte man sich m.M. vorher über sein persönliches Alleinstellungsmerkmal Gedanken machen. Wenn man so etwas liefern kann sind neue Ratgeber sicherlich gerechtfertigt und auch nützlich. Ansonsten sehe ich es aber ähnlich wie du.

    lg Tim

  3. Hallo Carsten, ich finde deinen Ratgeber für Ratgeber sehr gut zu lesen und außerdem hilfreich. Ich habe schon immer gern Ratgeber gelesen, früher als kleine Büchlein, heute meist in digitaler Form. Bin auch gerade dabei, einen solchen zu erstellen und kann einige Tipps hier mitnehmen. Vielen Dank!

  4. Hallo Carsten, ich finde deinen Ansatz sehr gut. Gerade das „Nur auf Kramp- schnell was schreiben“ um damit versuchen Geld zu verdienen (was in den meisten Fällen ja nunmal der Fall ist). Wenn man sich darauf stürzt selbst einen Ratgeber zu verfassen, sollte man sich m.M. vorher über sein persönliches Alleinstellungsmerkmal Gedanken machen. Wenn man so etwas liefern kann sind neue Ratgeber sicherlich gerechtfertigt und auch nützlich. Ansonsten sehe ich es aber ähnlich wie du.

  5. Hallo Carsten,

    sehr aufschlussreicher Artikel. Wie sinnvoll sind Podcast-Ratgeber? Also eine Anleitung via Soundcloud etwa. Denn eigentlich sind Textinhalte plus Bild für Leser viel einladender bzw. anschaulicher. Aber, wenn man in seinen Blog einen Ratgeber als Audio einbauen würde, dann wäre das doch eine willkommene Maßnahme für Besucher, die nicht gerne lesen. Auf diese Weise hören sie den Guide einfach. Freue mich auf dein Feedback! Grüße Olaf

  6. Danke für diesen sehr informativen Ratgeber, den werde ich mir noch das ein oder andere mal durchlesen. Wie schon beschrieben die Qualität setzt sich letztlich durch und das trifft auch bei Artikelcontent zu.

  7. Ich finde das besonders Herausfordernde bei Ratgebern irgenteiner Form ist es, die richtige Verbindung mit dem Menschen auf der anderen Seite zu knüpfen und möglichst gut auf seine spezifische Gedankenwelt eingehen zu können aber je mehr Leute ich ansprechen will desdo allgemeiner werden meine Aussagen und desdo schwieriger die richtige Vermittlung. Die Balance macht es hierbei aus

  8. Ich finde, dass generell zu viele Leute einen Ratgeber schreiben und auch genau da die Schwierigkeit besteht. Gerade in Zeiten von Online Business ist plötzlich jeder Experte, so dass eben auch viel Mist oder Bla Bla rauskommt.

    Dein Ratgeber (Text oben) wiederum verdeutlicht, was entstehen kann, wenn der Autor sich mit dem Thema auskennt, top! 🙂

    Gruß
    Christian

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  1. Der SEO-Blog-Wochenrückblick KW 49 | SEO Trainee

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