Klischee: Blogger haben alle Zeit der Welt

Ich bin seit 2006 Blogger, seit 2007 mit eisy.eu. Seither genieße ich den Luxus der unendlichen Zeiten, der 72 Stunden langen Tage und der Monate, die niemals enden. Zumindest ist das so, wenn ich mir die Kommentare ansehe, die ich von Bekannten, FB-Kontakten etc. teilweise erhalte.

„Du hast keine Arbeit oder?“ damit beginnen oft die Gespräche darüber, was ich eigentlich den ganzen Tag mache. Teilweise enden sie dann in dem Satz des Gegenüber: „Dann bleibe ich lieber bei meiner 35 Stunden-Woche.“ Was ich durchaus verstehen kann, aber womit ich niemals teilen würde.

Fakt ist: Ich habe als Blogger genau so viel Zeit wie jeder andere Mensch auf diesem Planeten.

Warum gibt es dieses Klischee?

Ich kann verstehen wenn Leute denken, Blogger, oder auch ganz direkt, ich, hätte viel Zeit oder wenig zu tun. Schließlich spielen sich viele meiner Aktivitäten auch genau dort ab, wo andere sich in ihrer Freizeit befinden. Facebook, Twitter oder auch draußen an der frischen Luft.

Mich dem ersten Kaffee durchforste ich meistens die neuesten Meldungen auf Facebook und Twitter. Da erwischen mich teilweise Leute bereits beim Liken oder Kommentieren. Wirklich Ruhe habe ich erst in den Recherchen via Google News.

Ein Vergleich auf Zeit

Nun beginnt der Moment, in dem mich mal niemand „sieht“. Denn – genau wie jetzt bei diesem Artikel – schreibe ich einen Blogbeitrag. Da dies aber keiner wahrnimmt, wird die Zeit sozusagen gestrichen. Dabei ist es auch nur die Phase, in der andere Menschen:

  • Personen im Taxi chauffieren
  • ein Haus im Auftrag bauen
  • Menschen im OP das Leben retten
  • unsere Pakete pünktlich ausliefern
  • unsere Kinder in der Kita betreuen
  • den täglich verursachten Müll beseitigen

oder? Es ist jetzt 08:18 Uhr bei mir. Eine Zeit, in der auch andere Jobs bereits beginnen oder längst begonnen haben. Bis hier hin sehe ich daher keinen zeitlichen Unterschied im Berufsleben eines Bloggers, im Vergleich zu einem anderen Beruf.

Sobald ich diesen Artikel vollendet habe, werde ich jedoch auf Facebook, Twitter & Co. wieder sichtbar. Denn ich verbreite meinen produzierte Schrift. Ist doch klar. Und ein paar Minuten Pause gibt es in anderen Jobs sicher auch. Wobei das Verbreiten von Inhalten keine Pause ist, sondern Arbeitszeit.

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Und danach muss ich als Blogger auch schon wieder in den Redaktionsplan schauen und das nächste Thema bearbeiten. Mache ich das nicht, verdiene ich langfristig kein Geld mit meinem Blog. Egal ob hier auf eisy.eu oder in einem anderen Projekt. Es läuft nur dann, wenn ich diszipliniert neue Inhalte produziere.

Der Gesamtaufwand

Ein guter Blogbeitrag dauert zwischen 2 Stunden und 5 Tage. Die produktive Zeit liegt dabei i.d.R. aber bei maximal 25 – 30 Stunden. Solche Artikel beinhalten dann oft noch Telefonate, E-Mail-Recherchen etc. Es werden Zitate anderer Personen eingeholt oder aber ganze Interviews geführt.

Oder aber es handelt sich um Testberichte. Im Fahrradblog brauche ich für einen Testbericht oft nicht weniger als 10 Stunden. Sobald ich mit einem Fahrrad fahren muss um es zu testen – was ich generell genau so mache – ist das immer noch meine Arbeitszeit. Von außen betrachtet sieht es aber wie Freizeit aus. Ist es aber nicht, es ist mein Job!

Das gleiche ist es, wenn ich den halben Tag vorm Monitor sitze und in einem Tool wie wild mit der Maus auf die Buttons klicke. So ein Testbericht eines SEO-Tools ist echt aufwändig. Oft muss ich zwischen Tool-Oberfläche, FAQ und Support hin und her wechseln, damit eventuelle Missverständnisse meinerseits nicht ein völlig falsches Bild eines Produktes vermitteln.

Wer mag, kann das ja gerne mal ausprobieren und sich einen Tag hier ins Büro setzen, ein Tool öffnen, Word öffnen, Snagit starten und dann loslegen und Schritt für Schritt einen Testbericht produzieren und diesen dann auf eisy.eu publizieren. Die Einladung steht.

Fazit

Ja, Blogger haben alle Zeit der Welt. Nämlich genau so viel, wie andere Menschen auch. Ich möchte aber nicht ausschließen, dass ich als Blogger eventuell an dem einen oder anderen Tag eher das machen kann was mich interessiert, als ich es in einem anderen Beruf tun könnte.

Alles in allem: Ich bin gerne Blogger. Und dieses Klischee ist schon in Ordnung. Es sorgt ja für Gespräche und Erheiterung. Ob und welche Klischees es bei Bloggern noch gibt, kannst du beim Webmaster Friday erfahren. Denn dort geht es heute und die kommende Woche um genau dieses Thema.

Über Soeren 450 Artikel
Ich bin Soeren, Blogger und Betreiber von eisy.eu. Über die Jahre hat es sich ergeben, dass mich viele einfach eisy nennen. Das ist okay. :-) Ich blogge seit 2005 und teile hier mein Wissen und meine Erfahrungen.

10 Kommentare

  1. Als jemand der bereits seit über 10 Jahren bloggt, kommen mir die Argumente die Dir entgegengebracht werden, sehr bekannt vor ;o) Die meisten Menschen haben, so internet-affin sie auch sind, eine falsche Vorstellung davon. Die wirklich erfolgreichen Blogger sind auch, sofern sie dies nicht vollberuflich machen, auch in ihren alltäglichen Jobs erfolgreiche Menschen. Denn eines muss man lernen, wenn man mit Bloggen erfolgreich sein will – sich selbst effizient zu koordinieren und gut zu planen. Eigenschaften die im restlich Leben auch nicht ganz von Nachteil sind ;o)

    Mach weiter so Eisy!

    Gruß,
    Heiko

  2. Naja, man muss sich nur mal anschauen, wie einiger der Blogger aussehen, die in Massenmedien präsentiert werden. Ich habe persönlich nichts gegen rote Irokesenfrisuren und wähne mich auch weitgehend frei von Vorurteilen, aber dass bei dem Anblick die meisten Menschen nicht an wirkliche Arbeit denken, kann nicht wirklich überraschen.

    Es gibt einfach kein klares Berufsbild in der Öffentlichkeit.

    Beste Grüße
    Hansjörg Leichsenring

  3. So unterschiedlich sind wir Blogger!
    Für mich ist Bloggen Entspannung, Erholung, Freizeit, Hobby, Pause, .. und läuft so nebenher.

    Einen Blogeintrag zu verfassen, dauert bei mir selten länger als eine halbe Stunde. Das Beantworten der Kommentare dagegen kann manchmal einen überraschend großen Zeitaufwand bedeuten.

    Schönes Wochenende und lg
    Anne

  4. Leider läßt sich der Artikel auch zu 3/4 auf alle Freiberufler mit HomeOffice adaptieren.
    So Sätze wie „Du bist ja zuhause“, „Wenn du ja gerade zu Hause bist, dann….“ und so weiter.
    Da muss man jedem erstmal ein einbleuen, das man nicht zwingend auf der Couch chillt und die Arbeit sich von alleine regelt.
    Auf Grund der Auftragslage(Gut das es so ist), habe ich auch schon länger keinen gescheiten Artikel mehr geschrieben. Denn die restliche Freizeit, die wenige opfer ich dann der Familie.

  5. Danke für deinen Einblick und stimme dir da teilweise schon zu. Ich bin nicht hauptberuflich Blogger und finde diese Bezeichnung eigentlich schwierig, da Blogger ja nicht direkt ein Beruf ist. Alleine die Frage wie man mit seinem Geld denn sein täglich Brot verdient finde ich schwierig. Glaube es gibt einfach ein falsches Bild von einem Blogger.

    Es ist für mich ein Hobby neben meinem Hauptberuf und natürlich verdiene ich etwas damit, dennoch mache ich viele viele Dinge für die ich kein Geld bekomme und muss mir dann Gelächter anhören. Weshalb? Weil ich für eine Sache brenne und sie vorwärts bringen möchte, auch wenn ich nicht dafür bezahlt werde?

    Vergleiche ich einfach mal mit dem Sport wo ich Fußball spiele. Da will ich auch vorwärts kommen, gut spielen und erfolgreich mit der Mannschaft die Spiele bestreiten. Geld verdiene ich damit keines, höre ich deshalb auf oder lasse es sein? Nein, ich will es einfach tun weil ich Spaß daran habe. Ich finde diesen Punkt sollte man viel viel viel mehr in den Vordergrund rücken bzw. wieder rücken lassen.

  6. Also Blogger sollen genug Zeit haben? Das halte ich aber für ein Gerücht, man muss als Blogger auch viel Zeit ins Denken investieren und genug Zeit investieren saubere Artikel zu schreiben und die Themen dafür zu recherchieren um richtige Informationen weiter zu vermitteln. Ich sitze manchmal noch bis tief in die Nacht an meinem Blog um kleine Fehler auszubessern um alles perfekt zu haben.

  7. Hallo Eisy,

    wie in den vorherigen Kommentaren beschrieben, ist der Blogger kein offizielles Berufsbild obwohl oft hochqualifizierte, disziplinierte, engagierte Arbeitskräfte stecken und wenn sie mit ihrem Blog Geld verdienen können, das auch verdient haben.

    Es ist das gleiche, wie bei den Lehrern. Ihnen wird auch vorgeworfen, immer nur Ferien und viel Freizeit zu haben. Was aber an Vor- und Nachbereitung, außerunterrichtlichen und schulischen Aktivitäten dazu kommen, wird dabei oft vergessen.

    Wie Du selbst beschreibst, dauert ein guter Artikel i.d.R. 2 Stunden bis 5 Tage. Das ist bei mir genauso. Recherche und andere Vorbereitungen kommen noch dazu.
    Ich blogge, weil es mir Spaß macht und ich denke, dass ich etwas zu sagen habe. Bisher ist mein Blog nicht monetär ausgerichtet. Kann ich wirklich noch „gefahrlos“ mit meinem Blog Geld verdienen?

    Wie auch immer. Es gibt immer diese Vorurteile. Schubladendenken ist zwar normal, doch bewusstes Hinterfragen zeugt von Intelligenz, die so manchen Menschen abhandengekommen zu sein scheint. Aber das ist ein anderes Thema. 😉

    Wenn Du Lust hast, kannst Du ja Deine Meinung zu meinen Artikel hinterlassen. 🙂

    https://www.netzblogger.net/bloggen-ist-nur-fishing-for-compliments/22888/

    LG Timm

  8. In manchen Bereichen streiten sich Blogger öffentlich, nur um andere schlecht darzustellen. Ich hoffe, der Bloggermarkt ist noch groß genug für alle. Aber der Trend ist wirklich, dass viele Leute über ein und dasselbe Thema schreiben. Irgendwann ist vorbei mit viel Geldverdienen und unendlich Zeit haben.

  9. Das kommt mir alles sehr bekannt vor 😉
    Ich muss zugeben, dass ich am Anfang das Gleiche gedacht habe, „das bisschen schreiben kann doch nicht so lange dauern“. Jetzt kann ich nicht beurteilen, wie sich das bei Vollzeitbloggern verhält, aber deine Ausführungen glaube ich sofort.

    Meine Freundin hat einen eigenen Foodblog, da dauert ein Artikel ebenfalls Stunden. Nicht nur, dass das Essen gekocht werden muss, nein, vorher muss auch die Idee für das Essen entwickelt werden. Dann wird nach dem Kochen fotografiert, nachbearbeitet und dann gibt es immer noch keinen Text, obwohl je nach Essen bestimmt schon 3-5 Stunden weg sind.

    Gruß
    Christian

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