Interview mit Uwe Ramminger

Uwe, auf einmal war er da. Keine Ahnung über welchen Kanal er kam – leider habe ich das vergessen. Definitiv steht aber fest, mit Uwe lässt sich gut reden, gut schreiben, gut am Stammtisch erzählen, gut fachsimpeln. Er ist noch nicht so lange im Affiliate-Marketing aktiv wie manch andere Leute. Dafür lernte er aber schnell und hat eine extreme Entwicklungskurve – auch wenn ihr diese im Interview nicht erfahrt. Mit ein paar Fragen – also einem kleinen Interview – möchte ich euch Uwe und seine Ansichten vorstellen. Ich wünsche euch viel Spaß!

Interview mit Uwe Ramminger

1. Hallo Uwe. Wie es sich gehört, die Leser wünschen zu wissen, wer du bist und was du machst. Ich bitte dich um eine kurze Vorstellung deiner Person und deiner Tätigkeit.

Uwe: Hallo Sören. Vielen Dank für die Möglichkeit, ein paar Fragen zu beantworten. Ich heiße Uwe Ramminger, bin 35 Jahre alt, Schwabe und stamme ursprünglich aus der Nähe von Stuttgart. Ich wohne aber mittlerweile ein bisschen mehr als 2 Jahre hier in Leipzig. Ich bin fest liiert und in wenigen Tagen Vater eines hoffentlich gesunden Sohnes.

Eigentlich sehe ich mich als Webworker. Andere würden das, was ich als Affiliate mache, Online-Marketer und/oder SEO bezeichnen.

2. Ein Bereich deiner Tätigkeit ist das Affiliate-Marketing als Affiliate / Publisher. Wie bist du dazu gekommen? Erzähl ein bisschen über deinen Einstieg ins Affiliate-Marketing.

Uwe: Das stimmt, hauptsächlich bewege ich mich im Affiliate-Marketing. Dazu kam ich wie die Jungfrau zum Kinde.

Zwar hatte ich schon immer eine gewisse Affinität zum Internet und habe vor ca. 10 Jahren meine ersten Homepages mit NetObjects Fusion gebastelt. Dann folgte aber eine lange Pause vom Internet. Den ersten richtigen Kontakt hatte ich wieder 2006. 2007 verfolgte ich die ersten Blogs und seit 2008 bin ich im Netz tätig.

Angefangen hat alles mit meinem damaligen Blog zum Thema Web 2.0, den ich mit verschiedensten Möglichkeiten zu monetarisieren versuchte. Aber der Anfang im Affiliate-Marketing ist ein beschwerlicher, denn im ersten Monat verdiente ich gerade einmal knappe 3,-$.

Ich bekam Lust auf mehr Umsatz und habe mich an den verschiedensten Sachen ausprobiert, gelesen, getestet, noch mehr gelesen, noch mehr ausprobiert und mich
mit anderen unterhalten und vor allem nie den Blick auf Lieschen Müller verloren. Denn die bringt dir als Affiliate-Marketer das Geld.

3. Du hast ja bestimmt die 1.000 Euro Grenze mit Affiliate-Marketing bereits überschritten. Da bin ich mir durch unsere Gespräche ziemlich sicher. Wie viele Monate hast du ungefähr für diese Grenze gebraucht? Immerhin gelten die 1.000 Euro als erste psychologische Grenze auf dem Weg zum Erfolg im Affiliate-Marketing.

Uwe: Einige Monate brauchte ich, um diese Marke zu durchbrechen. 1000,-€ ist sicherlich eine psychologisch wichtige Grenze. Diese Summe reicht allerdings nicht aus, um davon zu leben. Diesen Bereich kannst Du nur als Nebenverdienst sehen, denn Umsatz ist nicht gleich Gewinn. Diesen Denkfehler machen übrigens viele und quer durch alle Branchen.

4. Welches Content-Management-System empfiehlst du bei welcher Größe an Affiliate-Seiten?

Uwe: Ich arbeite bei all meinen Projekten ausschließlich mit WordPress. Für meine Projekte reicht dieses Blog-System auch völlig aus. Denn WordPress hat viele Vorteile gegenüber anderen Systemen: Es ist verhältnismäßig sicher, es ist OpenSource, es ist durch Plugins und Themes unendlich erweiterbar und somit zu 100% an die eigenen Bedürfnisse anpassbar. Mit nur wenigen Handgriffen macht man aus dem Blogsystem WordPress ein CMS.

Der aber wahrscheinlich wichtigste und größte Vorteil von WordPress: Google liebt WordPress. Das hat eindeutig Vorteile beim SEO in den SERPs und bei der Geschwindigkeit der Indexierung. WordPress kann also wirklich mehr als man denkt, ist Googles Liebling und ist insofern meine Empfehlung.

Bisher habe ich nur einmal mit Joomla geliebäugelt, ich führte bislang allerdings nur wenige kleine Tests mit diesem CMS durch.

5. Wie hoch sollten die monatlichen „Gewinne“ als Affiliate sein, um davon leben zu können? Die Ansprüche ans Leben sind ja bei jedem anders. Ebenso zahlt jeder andere PKV Beiträge etc. Dabei wäre es auch interessant zu wissen, wie hoch deine monatlichen Ausgaben allein im Affiliate Marketing für alles sind?

Uwe: Der Gewinn muss so hoch sein, dass man sein Leben davon bestreiten kann. Und zwar nach Abzug von Steuern, Versicherungen, eventueller Sozialabgaben, Rücklagen und den laufenden Kosten, die man als Freiberufler bzw. Selbständiger so hat. Also Internet, Server, Domains usw.

Zu den Ausgaben muss ich betonen, dass ich Schwabe bin. So halten sich meine Ausgaben auch in Grenzen. Mehr als 150,-€ gebe ich nicht im Monat aus, um meine Tätigkeit am Laufen zu halten.

6. Hast du ein fertiges WordPress-Paket, das du nur hochladen und installieren brauchst? Also alle Plugins und ein flexibles Theme bereits organisiert verpackt? Benutzt du noch ein bestimmtes „AffiliatePlugin“ für Werbemittel etc.? Wenn ja, welches?

Uwe: Nein. Nein. Nein. 😉 Ich mag Handarbeit und bin kein Freund von Uniformität oder Komplett-Paketen. So wird auch für jedes Projekt die komplette Installation individuell gepackt.

Jedes Projekt benötigt meiner Ansicht nach ein spezielles Theme, spezielle Plugins und auch einen speziellen Aufbau. Das liegt vor allem daran, dass ich in völlig unterschiedlichen Themenbereichen bzw. Nischen tätig bin. Eine Seite über Taschenrechner hat andere Bedürfnisse und Vorgaben als ein Blumenversand-Vergleich. (Der geneigte Leser braucht jetzt nicht googeln, das waren nur Beispiele).

Als AffiliatePlugin nutze ich seit neuestem eine spezielle Software. (Ja, so richtig mit Installation auf dem Rechner… 😉 ) Diese Software ist noch sehr neu und ich teste sie zurzeit ausgiebig. Wenn ich mit meinen Tests zufrieden bin, werde ich einen ausführlichen Bericht auf www.mehrblog.de dazu veröffentlichen.

7. Was braucht man, um im Web erfolgreich zu sein? Ich meine, es gehört einiges dazu. Was?

Uwe: Fleiß, Durchhaltevermögen, den Glauben an sich selbst und eine gewisse Intelligenz. Dazu die Fähigkeit sich in andere Menschen hineinzudenken. Und man sollte verstehen wie Google funktioniert. Das sind zumindest die Voraussetzungen, die ich an mir erkenne und die ich nutze. Und in Zeiten des Social-Webs sicherlich auch ein gewisses Talent, online mit anderen und fremden Menschen interessant zu kommunizieren. In diesem Bereich muss ich in Zukunft wohl noch viel lernen, denn das ist nicht meine größte Stärke.

8. Was sind die größten Fehler, die Einsteiger im Affiliate-Marketing zu Beginn machen? Immerhin hört man wiederholt abwertende Diskussionen zu diesem Kanal. Leute schimpfen, dass sie nichts verdienen würden etc. Woran liegt das deiner Meinung nach?

Uwe: Vielen Dank, dass du diese Frage stellst.

Die größten Fehler meiner Meinung nach sind fehlendes Durchhaltevermögen, fehlender Fleiß und das falsche Thema.

Zum Thema Durchhaltevermögen: Wenn man im Internet Geld verdienen möchte, braucht man vor allem am Anfang einen langen Atem. Kein Mensch, zumindest keiner den ich kenne, ist von heute auf morgen reich geworden. Alles braucht seine Zeit. Man muss Erfahrungen sammeln, Google muss Vertrauen in dich aufbauen, man muss Inhalte produzieren usw. Die meisten Projekte, die ich kenne oder selber betreue, haben immer mindestens 6 Monate benötigt, bis Geld in erwähnenswerter Weise abgeworfen wurde. Viele geben nach wenigen Wochen oder Monaten wieder auf. Hauptsächlich, weil Besucher fehlen und der Umsatz nicht stimmt. Beides braucht aber Zeit zum Entwickeln.

Zum Thema Fleiß: Geld verdienen bedeutet auch im Internet Arbeit. Und Arbeit ist oft verbunden mit Fleiß. Wer nicht fleißig ist, wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch nie erfolgreich sein. Alle großen Blogger, SEOs und Affiliate-Marketer sind fleißig, und das ständig. Nur die wenigsten können sich auf die faule Haut legen.

Zum Thema „Thema“: Wer den x-ten Handy-, PlayStation- oder iPhone-Blog startet, ist im Normalfall zum Scheitern verurteilt. Außer er macht was anders als die anderen. Um das richtige Thema zu finden, muss man meiner Ansicht nach 2 Dinge beachten: Als erstes muss der Wurm dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Zweitens sollte man an der Materie Spaß haben, mit der man arbeiten und Geld verdienen möchte, und sich darin auskennen.

Das Wissen dazu kann man sich anlesen. Der Spaß muss spätestens dann kommen, wenn es mit dem Projekt los geht. Auch ich bin an mehreren Projekten gescheitert, weil mir der Spaß gefehlt hat. Potential war und ist bei allen vorhanden. Ich lasse diese ruhen und widme mich anderen Dingen bis eventuell der Spaß und das Interesse doch noch kommen.

9. Richtig, es kostet sehr viel Zeit und ist jede Menge Arbeit als Affiliate. Wie gehen dein Freundeskreis und deine Familie mit deinem „Job“ um? Geld verdienen im Internet belächeln viele Leute noch immer. Kannst du deiner Familie und deinen Freunden richtig erklären was du machst?

Uwe: Ich sage immer: „Ich verteile Kekse… auch auf deinem Computer“ 😉 Als Reaktion erhalte ich dann oft ein Kopfschütteln und die Aussage, dass im Internet eh nur Verbrecher unterwegs wären.

Aber mal im Ernst: Wer nicht wirklich im Netz zuhause ist, versteht es entweder nicht oder will es nicht verstehen, was ich mache. Meist muss man seine Tätigkeit sehr bildlich und sehr einfach erklären, dann versteht es auch der letzte. Meine Story geht dann immer ungefähr so:

„Stell dir vor, Du möchtest eine elektrische Zitronen-Falt-Maschine kaufen. (Nein, diese gibt es nicht). Und solche Dinge findest Du im Internet. Was Du kaufen möchtest gibst Du bei Google ein, Google zeigt Dir ein Suchergebnis und Du klickst auf eines dieser Ergebnisse. Dann landest Du im besten Fall bei mir. Ich zeig Dir, wo Du eine elektrische Zitronen-Falt-Maschine kaufen kannst, und wenn Du dann wirklich eine dieser komischen Maschinen kaufst, bekomme ich eine Provision. Ganz einfach und wie im echten Leben.“

Spätestens nach diesem stark vereinfachten Beispiel verstehen die Menschen zumindest um was es grob geht. Mehr wollen Sie dann gar nicht mehr wissen, meistens zumindest.

10. Hast du schon einen Masterplan für die Zeit, wenn dein Sohn in den nächsten Tagen gesund zur Welt gekommen ist und dein Zeitplan schlagartig anders aussieht?

Uwe: Es werden sich sicherlich die Prioritäten etwas verschieben und mein Tagesablauf wird sich etwas verändern. Wie dieser dann aussehen wird, weiß ich natürlich noch nicht, aber ich lasse das ganz entspannt auf mich zu kommen und reagiere dann.

11. Wie findest du die Transparenz im Affiliate-Marketing?

Uwe: Das ist eine schwierige Frage, vor allem deshalb, weil ich hier weder einem Netzwerk noch einem Merchant oder einer Agentur auf die Füße treten will. Aber es passieren doch immer mal wieder ominöse Dinge… Zumindest habe ich davon gehört 😉

Eine höhere Transparenz wäre äußerst wichtig, vor allem für die Seite der Affiliates, allerdings habe auch ich keine Idee, wie man dies verwirklichen könnte.

12. Hast du als Affiliate gegenüber den Besuchern deiner Website immer ein gutes Gewissen? IMMER?

Uwe: Ja, immer.

Aus zwei Gründen: Erstens findet der Besucher das, was er sucht, meistens zumindest.
Der zweite Grund: Oft schwingt Neid anderer mit, weil ein Affiliate ja eine Provision durch einen Lead oder Sale erhält. Das ist richtig und auch gut so, denn so funktioniert Wirtschaft, überall auf der Welt. Aber:

Nehmen wir einen Versicherungsmakler, auch ein Beruf, der unter einem nicht ganz lupenreinen Image leidet. Er bekommt auch eine Provision, wenn er mir eine Versicherung verkauft. Sollte ich aber direkt zur Versicherung gehen und dort abschließen, zahle ich denselben Betrag. Die für die Versicherung eingesparte Provision steckt sich die Versicherung ein und gibt sie meist nicht an den Kunden weiter. Also wäre in diesem Fall die Versicherung der böse Bube. Im Falle des Affiliate-Marketings spart sich der Online-Shop die Provision, wenn der Kunde direkt kommen würde, gibt sie aber auch nicht an den Kunden weiter. Den Rest kann man sich zusammenreimen.

Vergleichen wir mal mit der Branche Einzelhandel, die jeder kennt und ich sogar genauer. Ich habe 8 Jahre im beratenden Einzelhandel gearbeitet, inkl. Ausbildung.

Vergleicht man Affiliate-Marketing also mit Einzelhandel, so sehe ich viele Gemeinsamkeiten. Ein Einzelhandelsgeschäft verkauft Waren an Kunden. Das ist das, was der Kunde von außen sieht. Gleichzeitig muss der Einzelhändler aber andere Aufgaben übernehmen: Er bevorratet die Ware im Lager, so ist sein Kapital gebunden. Er überbrückt Zeitunterschiede (Bsp: Schokoladen-Osterhasen werden im Oktober-Dezember produziert), er überbrückt Entfernungen und bietet Waren von vielen Herstellern an (sonst müsste man als Kunde zu allen Herstellern fahren und dort kaufen), er hat eine beratende Aufgabe usw usw. und noch vieles mehr. Für diese Aufgaben und diese Arbeit schlägt er bis zu 90% zu seinem Einkaufspreis drauf. Das ist sein Geschäft.

Im Affiliate-Marketing ist es ähnlich. Als Affiliate sage ich dem Kunden wo er das findet, was er sucht. Ich muss meine Seite daher pflegen, berate ihn in einer gewissen Weise und dafür erhalte ich 3-20% Provision. Somit ergibt sich eine Win-Win-Win-Situation: Der Besucher findet was er will, ich bekomme eine Provision und der Online-Shop kann Ware verkaufen.

Das ist meiner Meinung nach fair, oder? Somit sollten alle glücklich sein. Eigentlich.

13. Welches Affiliate-Netzwerk würdest du Einsteigern empfehlen und warum?

Uwe: Meine Favoriten als Einsteiger wären eindeutig SuperClix und Belboon. Und sonst natürlich noch die 2 großen Netzwerke Affili.net und Zanox. Als Orientierung ist natürlich 100pp.de von Karsten Windfelder zu empfehlen, dort wird jeder zu fast jedem Thema fündig.

14. Danke Uwe für deine vielen Antworten. Welche Quellen, Personen oder gar Agenturen zum Affiliate-Marketing würdest du abschließend noch empfehlen, damit Einsteiger zügig an themenrelevante Infos kommen?

Uwe: Ich habe sehr schnell gemerkt, dass man nicht auf reißerische Blogs oder eBooks hereinfallen sollte, die einem den großen Verdienst versprechen. Meist können die das nicht halten. Und wenn solche Blogs nachweislich wenige hundert Euro verdienen, dann kann doch was nicht stimmen, oder?

Als Einstieg sind ganz klar die Blogs von Peer Wandinger zu empfehlen (Selbständig-im-Netz.de und Blogprojekt.de), der oben genannte Affiliate-Blog 100pp.de von Karsten und diverse SEO-Blogs.

Dann sollte man sich auf jeden Fall bei Twitter anmelden, sollte man das nicht bereits getan haben. Denn hier findet man immer Menschen, die gerne Ihr Wissen teilen und interessante Links posten. Als Einstieg empfehle ich neben meinem Interviewer @eisy auch @wpseo. Alles andere ergibt sich von alleine…

Als technischen Hintergrund sollte man sich das kostenpflichtige wpSEO-Plugin von Sergej Müller gönnen (sollte man sich für WordPress als CMS entscheiden) und sich ein ordentliches Theme aussuchen.

Und dann: Lesen, lesen, testen, ausprobieren, testen, lesen, lernen… Und vor allem eins: Tun. Versuch macht klug!

15. Wir sehen uns am 26.08. in Leipzig am Stammtisch. Du bist wie gewohnt eine Stunde früher da? 🙂

Uwe: Klar, einmal Grillteller bitte… 😉

Ende 🙂

Vielen Dank Uwe für das Interview und ich denke einige werden deine Meinung und Ansichten mit dir teilen. Ich freue mich in diesem Sinne auf den Stammtisch am 26.08. in Leipzig. Wer Uwe kontaktieren möchte, erledigt dies entweder über Twitter @Ramminger oder sein Mehrblog.de.

Feedback, Fragen, Anregungen zum Interview natürlich gern per Kommentar. Fragen werden ebenfalls beantwortet. 🙂

Soeren
Ich bin Soeren, Blogger und Betreiber von eisy.eu. Über die Jahre hat es sich ergeben, dass mich viele einfach eisy nennen. Das ist okay. :-) Ich blogge seit 2005 und teile hier mein Wissen und meine Erfahrungen.