Holzspielzeug-Discount.de mit SPAM-Links in den Abgrund getrieben? Sehe ich anders.

Handelsblatt, Kurier.at, Golem.de, Gulli.de und andere Seiten berichten seit heute fleißig über eine Erpressung in der Suchmaschinenoptimierung. Ich möchte die Erpressung ausdrücklich und auf keinen Fall hinterfragen. Dass eine Erpressung vorliegt, mag wirklich so sein. Was ich hinterfrage und wo ich eine ganz andere Meinung vertrete, ist die Tatsache mit den Links die auf die betroffene Seite geführt werden.

Worum geht es eigentlich? Dem Holzspielzeug-Discount.de erreichte am 06. Dezember 2011 ein Anruf (?) von einem Erpresser. Dieser drohte damit, böse Links auf die Website zu setzen, wenn diese nicht 5.000 Euro bezahlen. Ein Klassiker unter den Erpressungen also. Entweder du zahlst Betrag X oder du bekommst Tat Y. Das ist schlimm und solche Dinge sind absolut daneben. Aber bitte merkt euch mal das Datum, den 06. Dezember 2011. Jetzt fällt seit einiger Zeit die Sichtbarkeit der Website. In den Medien wird auch von Rankingverlusten geschrieben, die man wohl feststellte. Aber zu den Rankings und der Sichtbarkeit später mehr.

Die Backlinks der Seite

Schauen wir uns mal die „bösen“ Links der Website an. Diese finden wir mit dem Filter „Casino, Sex, Viagra“ in den Link Research Tools sehr schnell.

Fragwürdige Linktexte aus SPAM-Versuchen mit Profilen

  • 18 x Viagra
  • 21 x Sex
  • 28 x Casino
  • 25 x Camchat
  • 23 x Porno
  • 19 x Home Page
  • 107 x www.holzspielzeug-discount.de (Klassifizierung: Forum)

Seltsame Links ohne Profile – ganz andere Vorgehensweise

  • 366 x Holzspielzeug+ im Anker (Webkataloge, Bookmarks etc.) / stellenweise aus 2007

Insgesamt habe ich ca. 270 Links aus Foren extrahieren können. 981 Links hat die Website und diese stammen von 730 verschiedenen Domains. Die Anzahl der tatsächlich aus „Profilen“ und somit aus der klassischen SPAM-Quelle stammenden Links kann ich nicht genau festmachen. Ich habe aber 134 Links aus solchen Profilen gefunden und die Links stammen vom 18. November 2011. Wann war der Anruf des Erpressers? Da kommt mir eine Ungereimtheit ins Spiel, denn Forenprofile kann man nicht rückwirkend registrieren.

Jetzt kommen wir aber mal zu einem weiteren Punkt. Ich finde aus der Klassifizierung der Quellen zu „Foren“ insgesamt 107 Links, die im Linktext das Keyword „Holzspielzeug“ haben. Das resultiert daraus, dass in vielen Profilen scheinbar kein Keyword verlinkt werden konnte und somit lautet der Linktext wie die Domain. Also www.holzspielzeug-discount.de. Das Risiko, hier ein Ranking kurzzeitig mit solchen Links zu stärken, besteht nämlich auch. Gerade wenn man solche Links setzt und dabei die Domain nimmt, kann das schnell wirken. Ich möchte jetzt nicht an den Fall JC Penney erinnern, die über lange Zeit sehr erfolgreich mit SPAM-Links rankten. Und die Anzahl war erheblich höher.

Google reagiert bei SPAM-Links die mit der Domain im Anker kommen eigentlich nicht direkt sensibel. Im Alltag wird es ja unter SEOs sogar immer wieder angemahnt, wenn man nicht auch solche Links platziert. Denn dadurch kommt der Mix ins Linkprofil und man stärkt den Vorgang zum Brand. Warum also, sollte das hier plötzlich ganz anders sein. Weil die Links aus dem Ausland kommen? Na ja, das haben aber auch SEO Agenturen aus den letzten Jahren schon sehr eindrucksvoll und positiv gezeigt, wie man mit solchen Links rankt.

Das Linkprofil ist im Ganzen irgendwie komisch. Es hat haufenweise Webkataloge, Bookmarks und andere minderwertige Quellen. Ob diese auch mit Software angelegt wurden, weiß ich nicht und ist mir auch in diesem Fall nicht wichtig. Auf jeden Fall ist es nicht sonderlich hochwertig. Funktionierte aber und funktioniert auch heute noch. 😉

Die Links die hier eindeutig SPAM-Links sind (eindeutig bedeutet nicht, eindeutig vom Erpresser, sondern können auch von „jedem“ anderen kommen) stammen auf jeden Fall von weit vor dem Anruf. Nämlich vom 18. November 2011 und das Datum steht in den Profilen eindeutig.

Jetzt blicken wir mal auf die Sichtbarkeitswerte.

Werfen wir mal einen Blick auf die Sichtbarkeit eines Jahres und schauen vom Dezember 2010 bis Dezember 2011.

In einem Jahr hat sich die Sichtbarkeit der Seite nicht wirklich verbessert. Das kann an einen nicht wirklich guten und aktiven Linkbuilding liegen. Ich möchte dazu einen Screenshot von archivierten SISTRIX Toolbox Daten aufzeigen.

Wachstum? Keins in Sicht. Und wie jeder im Bereich Suchmaschinenoptimierung weiß (oder wissen sollte), gibt es bei Stillstand immer einen Rückschritt. Wer keine Links aufbaut, gibt seinen Mitbewerbern einen Vorsprung. Und das wirkt sich auf die besseren Rankings von Mitbewerbern aus. Im Gegenzug werden die eigenen Rankings natürlich schlechter. Es kann ja nur einer auf Platz X stehen. Könnte also ein guter Grund sein, warum die Sichtbarkeit fällt.

Wenn ein Filter oder gar ein Penalty vorliegt, sieht man es ja u.a. auch ganz schnell in der Rankingverteilung. Wenn ich mir diese jedoch ansehe, frage ich mich wo das Problem sein soll.

Sieht absolut in Ordnung aus und hat sich auch nicht wirklich verändert. Ein Musterbeispiel wie Wikipedia.org ist es nicht, aber wie auch, macht ja scheinbar niemand richtig aktiv etwas dafür. Aber auch hier möchte ich mal noch nicht aufhören und deshalb schauen wir mal, wie sich die Anzahl der TOP10 Rankings in Google von Anfang Oktober 2011 im Vergleich zum aktuellen Stand entwickelt haben.

Wie man sieht, auch hier kaum eine Veränderung. Was auch auf eine nicht aktive SEO hindeuten kann. 😉

Und zu all diesen schönen Zahlen, Theorien und komischen Fundstücken die einen Angriff hier eher zum harmlosen Streicheln des Linkprofiles abtun, kommt noch die Diskussion und Frage, wie sehr ein Sichtbarkeitswert in dieser Branche (Holzspielzeuge) überhaupt eine breitangelegte Keyword-Datenbasis im Hintergrund hat, um anhand eines solchen Wertes eine Aussage über die Entwicklung einer Website treffen zu können.

Ach ja, monatlich (wenn Jonas Weber auf der SEOkomm nicht schummelte) klickt Google beim Panda auf den Knopf. Wer sagt denn nicht, dass diese Seite einfach in ein erweitertes Muster vom Panda-Update passt? Panda hat mit Backlinks übrigens nichts zutun, sondern ist ein reines Onsite-Ding. Schaut man sich die Seite an, könnte es doch hinkommen und rein zeitlich gesehen kann es auch passen.

Mein persönliches Fazit

Am Erpressungsfall stelle ich KEINEN Zweifel an. Der mag stimmen. Die Links die man hier so findet – es sind zugegeben ein paar – sind für meinen Geschmack einfach deutlich zu wenig. Außerdem kann man bei Google eine Art Selbstanzeige stellen und die Reaktion wird auch kommen. Rankingverluste bezweifel ich und schließe ich auch für mich persönlich aus. Dafür haben zu viele eigene Experimente schon zu gut gewirkt. Und JC Penney hat auch funktioniert. Schaut man in der Branche mal auf „Linkzar“ und andere Späßle, sieht man das Seiten selbst bei mehreren Tausend Links solcher Art nicht bewegt werden konnten. Bei ein paar sehr wenigen funktionierten solche Sachen. Aber die Massen an Links waren in anderen Dimensionen.

Vielleicht hat hier jemand gesehen das es mit einer Seite gerade bergab geht und die Gelegenheit für eine Erpressung genutzt, ohne überhaupt etwas gemacht zu haben? Ich glaube nicht, dass die Situation wirklich anders wäre, wenn hier 5.000 Euro geflossen wären. Nein, glaube ich nicht.

Ich unterstelle keinerlei Linkbait, keine Ente für die Medien etc. aber … ja, der Rest steht oben! Ich drücke auf jeden Fall die Daumen das sich die Sache mit der Erpressung schnell klärt. Und für alles andere einfach mal einen SEO ins Boot holen.

Soeren
Ich bin Soeren, Blogger und Betreiber von eisy.eu. Über die Jahre hat es sich ergeben, dass mich viele einfach eisy nennen. Das ist okay. :-) Ich blogge seit 2005 und teile hier mein Wissen und meine Erfahrungen.