Golem pur: Abo-Modell für Werbefreiheit

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Im Herbst 2014 startete das für Februar 2014 geplante „Golem pur“. Eine Version der Golem Webseite, die identische Inhalte anbietet aber keine Werbung zeigt und kein Tracking durchführt. Nun zieht Golem.de eine erste Bilanz aus den letzten Wochen und gibt einen Einblick in die Zahlen und Fakten.

Die Gründe für Golem pur

Über 50 Prozent der Golem.de Leser verwenden einen AdBlocker und unterdrücken dadurch die Werbung auf der Seite. Das entspricht fast eine Million Leser pro Monat. Wodurch für Golem.de auch wichtige Einnahmen durch Werbung nicht erwirtschaftet werden. Die Redaktion steht geschlossen hinter der Meinung, Inhalte nicht hinter eine Paywall zu legen. Deshalb überlegte man sich das Modell „Golem pur“.

Golem pur ist ein Abo-Modell für Leser, die keine Werbung und kein Tracking auf der Webseite möchten. Sonst mehrseitige Artikel können auf einer Seite gelesen werden. Artikel auf mehrere Seiten zu verteilen sorgt für eine höhere Anzahl an Seitenaufrufen. Sind aber auch mühsam für den Leser. Zahlende Leser ersparen sich diese Mühen. HTML 5 basierter Videoplayer sowie die Download-Option für Videos sind weitere kleine Vorteile die man ab 2,50 EUR pro Monat erhält.

Die bisherige Bilanz

Knapp über 1.600 Leser haben sich für ein Abonnement entschieden und zahlen zwischen 2,50 Euro bis 4,00 Euro pro Monat. Fast 1.300 Leser wählten die Mitgliedschaft für zwölf Monate und ca. 250 Nutzer haben sich sechs Monate an ein werbefreies Golem gebunden. Die übrigen Teilnehmer entschieden sich für die monatliche Mitgliedschaft. Finanziell gesehen unterstützen die monatlichen Nutzer die Redaktion am stärksten.

Ob Golem.de mit den Zahlen zufrieden ist, wird wie folgt beantwortet: „Dafür, dass wir eines der ersten Onlinemedien sind, das so ein Modell anbietet: ja. Dafür, dass die Zahlungsbereitschaft für Nachrichten und Texte im Internet weiterhin gering ist: ja.“ Es folgen weitere Ja-Töne in denen man selbstmotivierend über das neue Modell berichtet.

Für wenig Eigenwerbung sind die Zahlen tatsächlich in Ordnung. Denn schon in der Startphase konnte Golem.de das neue Angebot nicht vernünftig an die Leser bringen. Werbung wurde vernachlässigt. Ob es wirklich so ist wie derzeit geschrieben wird ist?

„Es könnte allerdings auch besser laufen. So müssen wir uns eingestehen, dass wir die Bewerbung des Abos aufgrund anderer Projekte sträflich vernachlässigt haben. Nach der Startphase gab es viele Wochen keinerlei Hinweise auf der Startseite, dass wir ein Abo haben.“

Vermutlich spielte auch etwas Skepsis eine Rolle in der Zurückhaltung. Denn wenn ich ein neues „Produkt“ habe und mir davon wirtschaftlich etwas verspreche, geht es i.d.R. nicht unter sondern wieder beworben. Meistens wird die Bewerbung sogar geplant. So viel Struktur schätze ich auch hinter der Golem.de Redaktion. Dennoch, jetzt läuft es und man macht auch Werbung hierfür. Es bleibt also abzuwarten wie sich Golem pur in den kommenden Monaten entwickelt.

3.680 Euro werden derzeit monatlich mit Golem pur erwirtschaftet. Damit finanziert sich Golem nach eigenen Angaben fast eine Redakteursstelle (inkl. allen Nebenkosten). Klar das man hier nachlegen muss und die Ziele sind gesteckt. Innerhalb von drei Jahren möchte man mindestens auf ein Niveau von monatlich 8.000 Euro kommen. Dies entspricht dem Level, welches die Taz mit Mitgliedschaften erreicht.

„Wir sehen das Abo in den kommenden Jahren vor allem als Ausgleich zu den rückläufigen Anzeigeneinnahmen, die auf die hohe Adblock-Nutzer-Rate und den einsetzenden radikalen Wandel des Werbemarkts zurückzuführen sind. Wir stehen zu unserer Entscheidung, unsere Inhalte frei zugänglich zu lassen und nicht hinter einer Bezahlschranke zu verstecken.“

Ich finde das Modell sehr positiv und eine schöne Lösung, um Inhalte für jeden Leser dauerhaft frei zugänglich zu halten ohne dabei die Finanzen aus dem Auge zu verlieren. Der Preis ist fair und niedrig. Die Gegenleistung „keine Werbung und Tracking“ sind gute Argumente.

Wie findet ihr die Idee von Golem pur?

Informationsquelle: Golem.de
Titelbild: eigene Fotomontage / Material: Golem.de
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Ich bin Soeren, Blogger und Betreiber von eisy.eu. Über die Jahre hat es sich ergeben, dass mich viele einfach eisy nennen. Das ist okay. :-) Ich blogge seit 2005 und teile hier mein Wissen und meine Erfahrungen.

1 Kommentar

  1. Seit einiger Zeit ist zu sehen wo der Weg hingeht. Jeder will von seinen Nutzern kleine monatliche Beträge haben. Sind ja nur 5 Euro.
    Ich finde die Idee im Grunde gut. Aber dauerhaft wird es sich trotzdem nicht lohnen, denn niemand liest NUR Golem. Wer regelmäßig im Monat 20 Webseiten, Blogs, Foren, Magazine und andere redaktionelle Medien nutzt, dazu bei Adobe, MS, Apple usw. auch noch mtl. Kosten durch Kleinstbeträge hat und überall zwischen 3 und 5 Euro zahlen muss, der muss sich am Ende entscheiden wem er sein Geld gibt und wem nicht.

    Gruß
    Alex

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