Betriebsblindheit – und wie du dich davor schützen kannst

Viele haben schon mal davon gehört, manche wissen vielleicht auch, was das ist, aber in unserem Berufsalltag kommt häufig die Befürchtung auf, dass viele in ihr gefangen sind und nichts dagegen unternehmen: die Betriebsblindheit. In diesem Artikel geht es um das Phänomen und mögliche Ansätze, um sich davon zu befreien.

Definition: Was ist Betriebsblindheit?

Zunächst einmal sollten wir festhalten, was Betriebsblindheit eigentlich ist. Da ich auf Anhieb auch nicht immer die richtigen Worte finde, habe ich unser aller Lieblingsnachschlagewerk Google bemüht und zitiere zunächst das Online-Portal coaching-report.de:

Betriebsblindheit
Unangemessene Wahrnehmungs- und Beurteilungstendenzen, die oft durch Routine verursacht sind. Klassisches Merkmal der Betriebsblindheit ist die eingeschränkte Wahrnehmung betrieblicher Abläufe und Zusammenhänge.1

Das ist kurz und knackig, wie eine Definition im Idealfall sein sollte. Aber was genau sind „unangemessene“ Wahrnehmungs- und Beurteilungstendenzen? Das ist für meinen Geschmack etwas schwammig formuliert. Wichtig und richtig ist hier auf jeden Fall die Benennung von Routine als Ursache.
Auch wirtschaftslexikon24.com bedient sich der Definition aus Rauens Werk, ergänzt um folgenden Zusatz:

(Betriebsblindheit) ist die Anwendung von Problemlösungsverfahren, die auf der Bewährung in der Vergangenheit beruhen. Sie bleiben bestehen, obwohl sich die Voraussetzungen für ihre Anwendung eigentlich geändert haben oder nicht mehr bestehen. Beispiel: Gewöhnung an eingefahrene Arbeitsabläufe, die wesentlich rationeller und billiger durchgeführt werden könnten.

Diese Beschreibung finde ich schon wesentlich präziser, wenngleich ich persönlich das Phänomen Betriebsblindheit nicht allein auf die „Anwendung von Problemlösungsverfahren“ beschränken, sondern vielmehr auf das gesamte Agieren eines Angestellten (oder auch eines Geschäftsführers) im Unternehmen ausweiten würde. Da ich nun fleißig zitiert und ein bisschen kritisiert habe, muss ich wohl fairerweise auch meine eigene Definition beisteuern.

Der Begriff Betriebsblindheit beschreibt einen Zustand, der sich bei Mitarbeitern eines Unternehmens, unabhängig von ihrer beruflichen Position, durch fortwährend monotone und routinierte Arbeitsabläufe einstellen kann. Im Zustand der Betriebsblindheit werden Tätigkeiten und Prozesse nicht mehr hinsichtlich Sinnhaftigkeit und Effizienz hinterfragt, sondern mehr oder weniger mechanisch durchgeführt. Entscheidend ist dabei, dass sich im Bewusstsein der von Betriebsblindheit betroffenen Personen der Glaube manifestiert hat, dass die ausgeführten Tätigkeiten den betriebsinternen Anforderungen genügen und keiner Veränderung bedürfen. Dabei ist es unerheblich, ob die betroffene Person mit Freude, Gleichgültigkeit oder Widerwillen agiert. Der Zustand der Betriebsblindheit kann sich auf alle Bereiche der beruflichen Tätigkeit (Tagesabläufe, Umgang mit Kollegen, Übernahme neuer Aufgaben usw.) übertragen.

Wie entsteht Betriebsblindheit?

Letztendlich sollte durch die obenstehenden Definitionen deutlich geworden sein, dass es sich bei Betriebsblindheit um keinen wünschenswerten Zustand handelt – auch wenn du ein Befürworter von Routine sein solltest. Doch wie genau kann es eigentlich überhaupt so weit kommen? Woran erkennst du frühzeitig, dass sich Betriebsblindheit anbahnt?

Routine ist schön – aber gefährlich!

„Never change a running system!“, so lautet ein Wahlspruch aus der IT. Warum ein System bzw. Komponenten davon ändern/ersetzen, wenn es doch so schön funktioniert? Vielleicht sogar so reibungslos, dass keine Ausfälle und Probleme zu beklagen sind, während andere Unternehmen im Umfeld sich fortwährend beklagen und anscheinend immer nur am Schrauben und Korrigieren sind? Das Tätigkeitsfeld ist klar definiert, die Arbeit ist schaffbar und stapelt sich nicht meterhoch auf dem Schreibtisch, 9 bis 17 Uhr, danach Rechner runterfahren und bis morgen.
Mein Vater schrieb mir unter der Kategorie „Das wünsche ich dir“ folgenden Spruch in mein Poesiealbum, als ich noch in der Grundschule war.
„Dass du niemals fertig bist und immer was zu lernen findest.“ Ich habe diesen Spruch nie vergessen, und das hat verschiedene Gründe. Als Kind habe ich ihn nicht verstanden und war beleidigt, denn für mich las sich das damals so, als gönne mir mein Papa nicht, dass die Schule eines Tages aus sein würde und als würde er sich wünschen, dass ich mich noch auf dem Sterbebett mit Matheaufgaben herumschlagen müsste. Als ich dann Jahre später noch einmal darüber nachdachte, wurde mir jedoch klar: „Fertig sein“ bedeutet Stillstand, und Stillstand bedeutet, seinen Horizont nicht zu erweitern, und seinen Horizont nicht zu erweitern, bedeutet, in der persönlichen Entwicklung innezuhalten.

Man verzeihe mir diesen Exkurs, aber ich wollte damit aufzeigen, dass es schädlich ist, sich immer auf das zu verlassen, was man kennt und was „eben funktioniert“, anstatt nach neuen Erkenntnissen und Möglichkeiten zu streben. Gerade in der heutigen Zeit geht der Fortschritt in so vielen Lebensbereichen rasend schnell, dass derjenige, der einfach nur dicht macht, irgendwann auf der Strecke bleibt. Ich weiß, dass einige Menschen die Auffassung vertreten, dass es vielleicht ganz gut wäre, hin und wieder auch mal auf die Bremse zu treten – und diese Ansicht teile ich ebenfalls. Aber es ist nicht heilsam, sich in seine Betriebsmuschel zurückzuziehen und die Schale von innen zuzutackern.

Selbstbeobachtung: Droht die Betriebsblindheit?

Um diese eher philosophischen Ansätze auf den (beruflichen) Alltag zu übertragen, hilft es, sich selbst einige Fragen zu stellen und während der Arbeit hin und wieder mal für einen Augenblick in seinem Tun innezuhalten und besagtes Tun zu analysieren. Einige Denkanstöße:

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Ffragen zur Betriebsblindheit
Fragen zur Betriebsblindheit

An diese Fragen knüpfen sich dann, wie von allein, folgende Anschlussüberlegungen:
Wenn du gern in deinem Bereich tätig bist: Einerseits ist das natürlich schön für dich, aber wann hast du deine Tätigkeiten und die herrschenden Abläufe und Prozesse das letzte Mal kritisch hinterfragt? Wann hast du das letzte Mal über mögliche Verbesserungen nachgedacht und diese auch vorgeschlagen oder eingeführt? Bist du aktiv darum bemüht, deine Arbeit für dich selbst und andere effizienter zu gestalten – oder funktionierst du eher präzise und unveränderlich nach dem Prinzip Schweizer Uhr?

Das Gleiche gilt auch für die zweite Frage: Ist dein Produkt oder deine Dienstleistung wirklich so makellos, wie du glaubst? Ist es wirklich noch zeitgemäß und erfüllt es die Bedürfnisse der Kunden, die vielleicht schon lange bei dir kaufen oder buchen?

Darauf bezieht sich auch gleich der dritte Punkt: Was genau wollen deine Kunden von dir? Sind die erbrachten Leistungen immer noch dem angemessen, was zum Zeitpunkt der Erstbeauftragung gut und richtig schien? Wenn du hier nicht besonders aufpasst und nachhakst, verlierst du deine Kunden unter Umständen einfach nur deswegen, weil jemand anders sich mehr Gedanken gemacht hat als du!

Kannst du dich erinnern, was dein letztes Desktop-Theme war? Wie lange hängen schon die gleichen Postkarten und markigen Sprüche an deiner Pinnwand? Und hast du schon mal überlegt, deinen Bildschirm auf die andere Seite des Schreibtisches zu stellen?

Geht die Interaktion mit deinen Kollegen über den 10-minütigen Schwatz über Belanglosigkeiten am Kaffeeautomaten oder in der Kantine hinaus? Gibt es in deinem Betrieb regelmäßige Mitarbeiter-Treffen, in denen gemeinsam über die Arbeit reflektiert wird?
Wenn du das Leitbild deines Unternehmens kennst und wiedergeben kannst: Handelst du bzw. handelt das ganze Unternehmen deiner Ansicht nach auch entsprechend? Ist alles konform – oder wären Veränderungen angebracht?

Je nachdem, wie du diese Fragen beantwortet hast oder zu welchen Erkenntnissen du gekommen bist, musst du den Grad der Betriebsblindheit bewerten, der sich bei dir bereits eingestellt hat oder sich zumindest anbahnt. Was ich verdeutlichen wollte: Es sind gerade die Dinge, denen wir vielleicht keinen großen Stellenwert im Berufsalltag einräumen („weil es ja funktioniert“), die unser Sichtfeld verkleinern und in die Routine abdriften lassen. Irgendwann wird die tägliche Arbeit schlimmstenfalls so mechanisch ablaufen wie das abendliche Zähneputzen oder der morgendliche Gang unter die Dusche. Und dann steckst könntest du schon mitten im Teufelskreis stecken.

Was tun gegen Betriebsblindheit? Einige Beispiele aus der Praxis

Die kritische Hinterfragung des eigenen Arbeitsablaufes ist bereits der erste Schritt in die richtige Richtung. Und in einigen der oben gestellten Fragen „verstecken“ sich bereits einige Tipps, wie der Betriebsblindheit vorgebeugt werden kann. Wir bei eisy.eu sind zum Beispiel auch nicht perfekt, haben aber mit folgenden Dingen positive Erfahrungen gemacht:

Was macht der Kollege?

Wir erachten es als sehr wichtig, regelmäßig miteinander zu sprechen und uns über unsere Arbeit auszutauschen. Das tun wir nebenbei, wenn wir uns im Büro begegnen, aber auch zu festgelegten Zeiten. Dann wird über neue Erkenntnisse, die eigene Strukturierung der Arbeitszeit, erreichte Ziele, die Planung der kommenden Woche, Probleme und Erfolge berichtet, die Meinung der Kollegen erfragt, gelobt und kritisiert. So sind wir nicht mit uns und unseren To-Dos allein und erledigen sie strikt nach dem Schema F, sondern erhalten auch neue Impulse und können alternative Verfahren sowie Tools und Methoden kennenlernen und im Selbstversuch testen.

Was bewegt den Kunden?

Ohne Kunden keine Firma – jedenfalls bei uns. Darum erachten wir es als besonders wichtig, unserem Kunden nicht nur monatlich den Report und die Rechnung zu präsentieren. Regelmäßige Gespräche, sei es am Telefon oder von Angesicht zu Angesicht, sind uns sehr wichtig. Nur so können wir, trotz Monitoring und Google Analytics, wirklich erfahren, ob in der Wahrnehmung des Kunden gerade alles nach Plan verläuft, was er/sie sich wünscht und wo wir uns (gemeinsam) noch verbessern könnten. Zahlen, Daten und Kurven können niemals den persönlichen Kontakt ersetzen.

Stehst du für das ein, was deine Firma ausmacht?

Ich mag mich zwar irren, aber „Monotonie“ und „Trott“ stehen bestimmt in keinem Leitbild, auch nicht in dem deiner Firma. Dort sind in der Regel eher Werte festgehalten, die auf Innovation, ernsthafte und gewissenhafte Arbeit sowie eine optimale Kundenbetreuung schließen lassen. Die Krux daran: Ein Leitbild ist immer nur so gut, wie es auch von der Belegschaft gelebt wird! Auch Werte und Vorstellungen darüber, was eine Firma ausmacht, können sich im Laufe der Zeit erweitern und verändern. Aber dann muss auch entsprechend reagiert und das Leitbild angepasst werden. Außerdem schadet es nicht, sich selbst (und auch die Kollegen und Vorgesetzten) zu beobachten und von Zeit zu Zeit mal zu überlegen, ob man das auch noch lebt, was man sich selbst auf die Fahnen geschrieben hat.

Fazit: Nicht unaufmerksam werden!

Klingt zwar banal, ist aber so: Gleite gar nicht erst in die gemütliche Routine ab. Wenn dein Arbeitstag immer vollgepfropft ist mit Terminen und Aufgaben: Plane ein bisschen im Voraus, auch mit deinen Kollegen. Führe den regelmäßigen Austausch über den Alltag im Büro ein, schlag Kunden ein monatliches Telefonat zur Besprechung aktueller Ereignisse und anstehender Herausforderungen vor, und: Probiere hin und wieder auch mal Neues aus! Vergleiche die Tools, die deine tägliche Arbeit bestimmen, mit Alternativprodukten, wechsele, wenn möglich, hin und wieder den Arbeitsort (nicht zu verwechseln mit dem Arbeitsplatz), hab immer ein offenes Auge und Ohr für die Tätigkeiten der Konkurrenz und deiner Partner. Dann bist du auch weitgehend gefeit vor Betriebsblindheit.

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2 Kommentare

  1. Betriebsblindheit ist was schlimmes. es schleichen sich kleine Fehler ein und man selber sieht es einfach nicht. wenn die Fehler klein sind ok aber wenn sie größer werden. kann das zu einen echten Problem werden.

  2. Arbeitsmethoden oder -abläufe (mal) zu verändern und fortlaufend zu optimieren, ist auch eine gute Möglichkeit von der üblichen Routine abzuweichen. Dieser stetige Prozess der Verbesserung sorgt dafür das man sich oder sein Team stets hinterfragt und somit nicht in den üblichen Trott verfällt.

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