Als SEO bei Penaltys verantwortlich?

Würde ich pauschal so nicht sagen. Aber!

Rechtliche Fragen sind für mich immer kritisch. Zum einen weil mein fachliches Verständnis dafür sicher nicht reicht und zum anderen, weil es oft sowieso anders kommt als man denkt. Nun wurde laut Ralphs Bericht eine SEO-Agentur von ihrem Kunden für eine Paidlink-Penalty zur Verantwortung gezogen.

Warum passieren diese Dinge

Ich bin etwas verwundert, dass wir jetzt erst von solchen Fall lesen. Aber oftmals wird bei Streitigkeiten über Stillschweigen gesprochen. Im Juli 2013 kündigte Matt Cutts ja die detaillierteren Berichte bei der „Penalty für unnatürliche Links“ an. Gemeint ist damit die Offenlegung von Beispielen von schlechten Links.

Erhält ein Seitenbetreiber eine Meldung über unnatürliche Links, in den Webmastertools, werden dort echte Beispiele gezeigt. Dadurch will Google das Verständnis und Bewusstsein der Seitenbetreiber bestärken. Es soll gezeigt werden was Google meint, damit der Seitenbetreiber bei der Bereinigung besser versteht worauf es ankommt.

Ist Google immer im Recht?

Nein, leider nicht. Ich würde mir wünschen es wäre so. Aber Google meldet oft „unnatürliche Links“ die ganz natürlich entstanden. Vor wenigen Wochen hatte ich hier einen ganz speziellen Fall.

Einer meiner kürzlichen Fälle

Die Webseite war in den Jahren 2010, 2011 und 2012 ein echter Aufsteiger in ihrem Bereich und deckte zum Thema auch nahezu alle Rankings ähnlich der Wikipedia ab. Daraus resultierend entstehen eine Menge natürliche Links. Da es ein sehr fachspezifisches Thema ist wo man gerne auf Quellen verweist, haben auch große Verlags- und Medienhäuser zunehmend auf die Webseite verwiesen. Manchmal auch mit harten Keywords – man sollte meinen die können das gar nicht.

Ab 2013 ging es mit der Webseite bergab und sie war scheinbar auch dem damaligen Betreiber nicht mehr sonderlich wichtig. AdSense lief und auch sonst scheinten die Einnahmen stimmig genug zu sein um alles andere zu ignorieren. Die Seite war sogar in diversen Absteigerlisten der SEO-Tools.

Wie kam es zum Absturz?

Nun, damit die Seite überhaupt ihre starken Rankings bekam, hatten die ehemaligen Betreiber mit vielen unnatürlichen Links nachgeholfen. In meiner Analyse gab es kaum ein mir bekanntes SEO-Netzwerk was dort nicht mit ein paar Webseiten als Linkquellen integriert war. Die Seite kam also mit „manipulierten“ Rankings nach oben, kassierte dort dann wirklich echte Links von denen viele Seitenbetreiber nur träumen. Die Altlasten störten.

Präventivmaßnahmen vergessen

Seiten derart nach vorne zu bringen war und ist keine Seltenheit. Betreiber oder die betreuenden Agenturen sollten aber nicht vergessen die Altlasten zu entsorgen sobald die natürliche Wirkung einsetzt. Wer – wie die von mir beschriebene Seite – die guten Rankings genießt und sich auf dem Zuwachs neuer natürlicher Links ausruht, dem fallen alte Paid-Links irgendwann „vielleicht“ auf die Füße.

Was war die Folge?

Die Seite hat eine Benachrichtigung über unnatürliche Links bekommen. Google nannte auch Beispiele. Unter diesen Beispielen waren auch Links großer Nachrichtenseiten. Und nein, nicht von diesen typischen Lokalzeitungen die in 300er Listen durch die SEO-Branche gereicht werden. Gemeint sind Links von TOP-Newsquellen in Deutschland.

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Da die Links dort zeitlich aus den Bestzeiten der Webseite stammen nahm ich Kontakt zu verschiedenen Redaktionen auf. Ich schilderte das Problem meines Auftraggebers und lies Nachforschungen anstellen. Zum einen bestätigte man mir den aktuellen Seitenbetreiber nicht zu kennen. Klar, dieser übernahm die Webseite erst. Ich fragte nach dem vorherigen Betreiber. Den Namen kann man auch nicht (ich kannte ihn). Man wusste aber immer sehr genau warum in Artikeln genannte Quellen (externe Links) integriert waren. So konnte man es mir auch bei meinem Fall mitteilen. Die Links waren nachweislich organisch. Die Seite rankte zu der Zeit als beste Quelle tatsächlich auf Position 1.

Solche echt schönen Links will man behalten. Sie liefern Besucher und seien wir ehrlich, sie bringen was im Ranking. Da sie aber von Google als Beispiele genannt waren musste ich sie zumindest auf Nofollow umschalten lassen. Schade.

Die Erfahrungen haben immer wieder gezeigt: Reconsideration Request erst stellen wenn auch alle Beispiele behoben sind. Sonst dauert die Ablehnung oft nur Stunden oder wenige Tage und die Beispiele werden wieder bemängelt.

Der Fall zeigt

Google kann nicht immer richtig liegen. Die Beispiele die man bekommt enthalten häufig auch ganz natürliche Links. An diesen stößt sich halt ein Quality Rater und schon hat es sich erledigt. Aus diesem Grund finde ich es auf rechtlicher Ebene äußerst gefährlich diese Beispiele als Grundlage für eine „Verantwortung“ heranzuziehen. Natürlich mag es – so hoffe ich – in den meisten Fällen stimmen was Google zeigt. Was bringt dies aber dem einzelnen SEO der unter einer Fehlentscheidung zur Kasse gebeten wird. Vertraut bitte nicht auf die Beispiele von Google wenn ihr es nicht selbst bestätigen könnt.

Wie schützt man sich als Auftragnehmer

Ich kann es nicht bestimmt sagen. Allerdings gibt es neben der richtigen Versicherung (bitte sucht euch eine) natürlich interne Maßnahmen die im Kundenverhältnis eintreten. Gerne gebe ich euch hier ein paar Beispiele als Anregung.

  • Fortlaufendes Reporting aufgebauter Links führen
  • Reporting für „fremde“ neue Links führen die man findet
  • Reporting regelmäßig an Kunden senden
  • Wochenprotokoll führen und vom Kunden unterzeichnen lassen

Betreibt ihr Linkaufbau für Kunden, sendet dem Kunden doch bitte regelmäßig ein Reporting oder gebt diesem Zugriff auf einen Bereich (ein Tool etc.) wo er sich die Fortschritte selbst ansehen kann. Zum einen ist der Auftraggeber immer darüber informiert was gerade durchgeführt wird. Dies kann motivierend sein. Zum anderen kann er auch selbst schnell reagieren und sich melden wenn ein Link ihm nicht gefällt. Er unsicher ist oder… oder.

Optional kann auch eine zusätzliche Liste geführt werden mit Links die entstehen ohne das man hierfür etwas getan hat. Ist natürlich aufwendiger und sollte bestenfalls automatisiert laufen. Im besten Fall kann der Kunde mit einem Tool seine aktuellen Links selbst abfragen und dem Auftragnehmer werden nur Links zugeordnet welche er reportet. Solche Sachen müssen aber vorab kommuniziert werden.

Mindestens 1x im Monat sollte jeder Kunde einen Report bekommen. Jeden Freitag oder Montag ist natürlich schöner. Dies wird verbunden mit einem Protokoll aller getaner Arbeiten. Dem Kunden wird das Protokoll zur Unterschrift vorgelegt. Somit erklärt er sich mit der abgelaufenen Woche einverstanden. Auch mit den Links!

Soweit mal von mir ein, zwei Anregungen. Es gibt noch deutlich mehr Optionen wie man Kunden auf ehrliche Weise zufriedenstellt und sich gleichzeitig die absichert.

Fazit

Sichert euch ab! Egal wie, aber richtig. Im Zweifelsfalls legt man euch vielleicht irgendwann Links als Eure aus, die aus Zeiten vor der Zusammenarbeit entstanden sind. Wenn da kein Zeitstempel (Datum etc.) vorhanden ist, wird es vielleicht kritisch. Vermeidet Verantwortlichkeiten für die Vergangenheit. Am besten stellt man immer zum Beginn einer Zusammenarbeit eine IST-Analyse auf. Egal in welchem Bereich. Aber dazu seid ihr sicher alle selbst Profi genug. 🙂

Foto © finecki - Fotolia.com

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Ich bin Soeren, Blogger und Betreiber von eisy.eu. Über die Jahre hat es sich ergeben, dass mich viele einfach eisy nennen. Das ist okay. :-) Ich blogge seit 2005 und teile hier mein Wissen und meine Erfahrungen.

11 Kommentare

  1. Würde mich wirklich interessieren, ob irgendein Rechtsanwalt oder Firmen-Justiziar ernsthaft probieren würde, einem SEO eine Schuld an einem Traffic-Rückgang zu beweisen…

    Könnte man dann auch den Designer verklagen, der die hässliche Seite entworfen hat, die dann zum Traffic-Rückgang geführt hat?

    Wir wissen doch meistens nicht einmal selber, welche Aktion jetzt -genau- positive oder negative Auswirkungen hatte. Das wäre wieder ein spannendes Detail zu Thema „negativ SEO“… also Kunden der Wettbewerber mit Mist bewerfen, bis jemand klagt?

    Aber Rechtsanwälte sind wohl zu allem fähig… daher wäre vielleicht eine Rechtsschutz-Versicherung sinnvoller, als eine Haftpflicht?

    • Ich denke hier liegt die Problematik eher auf der plakativen Verurteilung von Links seitens Google. Der Sachverhalt ist definitiv schwierig und ich bin gespannt ob weitere Details durchsickern. Generell vermute ich aber, dass die Beispiele seitens Google zu solchen Handlungen provozieren.

      • Statt echte, organische Links auf nofollow zu setzen, wäre es nicht besser, Google diesbezüglich aufzuklären? Oder sahst Du da keine Chance?

        Es ist doch echt bitter, wenn man echte, gute Links entwerten muss…

      • „Aufklärung“ ist immer eine Zeitfrage. Und der Faktor „Zeit“ ist in solchen Fällen kritisch zu betrachten. Es gibt noch einen laufenden Fall wo das probiert werden kann. Wenn ein Kunde damit einverstanden ist würde ich das auch durchaus mal probieren. Danke für den Ansatz!

  2. Sehr cool und schnell reagiert. Ich denke, es ist elementar, den Kunden proaktiv über aktuelle Vorgänge, Updates, was sich eben bei Google so tut etc. in Kenntnis zu setzen (wieso rennen wir denn auf 100 Konferenzen im Jahr?) und mit ihm gemeinsam an den Strategien zu arbeiten. Am Ende des Tages scheitert viel an der Kommunikation. Wenn der Kunde mit mir gemeinsam und bewusst eine riskanten Weg einschlägt, ist das eine komplett andere Situation, als wenn ich diese Strategien in bestem Wissen eigeninitiativ umsetze. Mehr miteinander Sprechen löst hier viele Probleme 🙂

  3. Hallo eisy

    Danke für Deinen Beitrag. Dies ist wirklich ein spannendes Thema. Es ist schwer vorstellbar, dass es ein Urteil gegen eine Agentur geben kann wenn Google seine Algorithmen nicht offen legt. Wie soll sonst die Schuld beweisen werden? Ich stelle mir das richtig schwierig vor 🙂

    Wir machen auch gute Erfahrung mit Reportings in kurzen Abständen. Das mit dem Unterschreiben ist ein guter Hinweis.

  4. Sehr guter Artikel. Sollte jeder Existenzgründer im Bereich SEO lesen. Schade nur, dass es in Deutschland wenige Anwälte mit einem guten Wissen zu dem Thema gibt, eine gute Rechtlicheberatung wäre bestimmt nicht verkehrt.

  5. Die Richtlinien von Google sind bekannt, wenn die Agentur dagegen verstößt, der Künde nicht informiert ist, weiß ich nicht wie die Gerichte urteilen. Deshalb unbedingt die Fakten im Vertrag darlegen.

  6. Meiner Meinung nach gibt es im SEO Bereich zu viele schwarze Schafe. Leider arbeiten recht viele, für meinen Geschmack zu viele, SEO Agenturen mit gekauften Links. SEO ist für mich nicht nur Links von einer Liste aussuchen und bestellen. So entstehen nämlich die unnatürlichen Verlinkungen und früher oder später wird man dafür von Google bestraft. Manchmal sogar ohne Vorwarnung.

    LG Tom

  7. Leider ist bei vielen SEO’s, oder besser „selberernannten SEO’s“ die IST-Analyse noch immer nicht zum Standart geworden
    IST nur zu hoffen , dass die einen oder anderen diesen Beitrag lesen

1 Trackback / Pingback

  1. SEO für Schaden im sechsstelligen Bereich verantwortlich gemacht | SEO Book

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