Jako Abmahnung gegen Blogger zwingt Image zur Talfahrt

Ohne Rücksicht auf Verluste – auch beim eigenen Image? Jako ist als Sportartikelhersteller sehr bekannt und hat ein eigentlich ganz gutes Image gepflegt. Bisher, denn jetzt wendet sich das Blatt. Jako schickte Frank Baade – er ist Hobby-Fußballtrainer – eine Abmahnung. Dies geschah jedoch bereits im Mai und seit Monaten hätte man die Chance gehabt hier Ruhe reinzubringen.

Erhalten hat Frank Baade die Abmahnung von den Anwälten von Jako, weil er auf seinem Blog eine Äußerung preisgab, bei der er vielleicht nicht ganz die richtige Wortwahl fand. Optische Aspekte sind immer Geschmackssache und das neue Logo vom Sportartikelhersteller Jako traf eben nicht den Geschmack von Trainer Baade. Das er für diese Meinung aber streng riechende Worte fand, war etwas unglücklich. Wobei man die Äußerungen, dass etwas „scheiße“ sei heute auch verkraften müsste, gehört doch schon zum allgemeinen Sprachgebrauch.

Dem Konzern Jako dann noch als „Aldi oder Lidl“ unter den Sportartikelherstellern zu bezeichnen deutet auch nur darauf hin, wie gut Aldi und Lidl ihre Marke bei der Bevölkerung eingehämmert haben. Beleidigend sollte man sowas eigentlich nicht gleich sehen. Oder will Jako behaupten das Aldi und Lidl keine Qualität haben? Irgendwas abwertendes muss ja fast sein, sonst würde man nicht so aufspringen.

Abmahnung statt Anruf

Statt der Sportartikelhersteller als Reaktion auf die Meinung von Trainer Frank Baade einfach zum Telefon greift und darum bittet die Wortwahl zu beherzt zu überdenken, alarmierte man laut Medienberichten die Anwälte. Um die Sätze aus dem Internet verschwinden zu lassen musste eine Abmahnung von Jako gestartet werden. 400 Besucher ungefähr konnten den Beitrag auf dem Blog von Baade lesen. Baade erhielt eine Abmahnung mit der Forderung von 1085 Euro. Er löschte daraufhin ohne Umwege den Text aus seinem Blog. Die Unterlassungserklärung hat er in abgeänderter Form unterzeichnet.

1085 Euro zahlte Baade aber noch nicht an Jako und da die juristischen Diskussionen weiterliefen, schaukelten sich auch die Kosten irgendwann bis auf 1900 Euro hinauf. Weil eine solche Abmahnung aus Sicht vom Marketing noch nicht hart genug ist, kommt jetzt aber der Glanzparade im Bezug auf das Jako Image. In einem weiteren Schreiben forderte Jako nun über 5000 Euro wegen einer scheinbaren Verletzung der Unterlassungserklärung. Grund dafür sein die Verbreitung seines Textes ohne seine Hilfe auf dritten Websites. Der Texte wurde automatisiert aus seinem Blog ausgelesen und auf einer anderen Website publiziert. Jetzt kann man sagen: Hätte er es nie geschrieben, wäre es nie kopiert wurden. Natürlich kann man das sagen, aber man kann auch sagen: Hätte Jako angerufen, wären sie heute nicht das Gespräch der Blogszene.

Blogger halten bei solchen Dingen gewöhnlich zusammen. Da muss Baade noch nicht mal befreundete Blogger suchen. Im Prinzip braucht man nur kurz ein paar freundliche Bitten per E-Mail verschicken und schon generiert man eine Welle an Feedback die auch große Unternehmen nicht mehr stoppen können. Die Vergangenheit zeigte sowas oft genug, es gab bereits viele Fälle in denen Unternehmen im Kampf gegen Blogger versagten. Jako muss seit ein paar Tagen der Belastung standhalten, einen gewaltigen Imageschaden zu erleiden.

Hat Jako den Kampf bereits verloren?

Man kann gegen eine ganze Gemeinschaft an Bloggern einfach nicht gewinnen, egal welche Summen man androht. Die 400 Leser auf der Website von Baade waren für Jako noch ein Witz. Jetzt sind es viele Tausend Leser in hunderten von Medienquellen die das Theater verfolgen. Die Marke Jako ist bestenfalls auf dem Weg zum Synonym für Abmahnungen gegen Blogger zu werden. Blogger gehen nun schon so weit, dies mit Emotionen zu verbinden. Man wolle Trainer Baade in den finanziellen Ruin treiben etc. es gibt viele Stimmen die zum Trainer halten.

Baade dreht die Imageschraube

Laut Medienangaben der Sueddeutschen soll Jako jetzt versucht haben den Trainer zu überreden eine für das Unternehmen günstigere Äußerung zu veröffentlichen, dies teilte der Trainer der SZ mit. Im Gegenzug dazu wolle man Baade dann die letzten Forderungen von über 5000 Euro erlassen. Baade bleibt hart und lässt sich vorerst keine Butter um die Mundwinkel schmieren. Eine positive Äußerung von ihm soll erst dann im Netz erscheinen, wenn alle Forderungen gegen ihn fallengelassen werden. Baade gibt auch an, er hätte den Text bei einem freundlichen Anruf von Beginn an gelöscht. Nur eben dieser Anruf blieb aus. Stattdessen verrennt sich Jako jetzt in ein juristisches Abenteuer bei dem das Image des Sportartikelherstellers nicht nur angekratzt wird.

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8 Kommentare zu Jako Abmahnung gegen Blogger zwingt Image zur Talfahrt

  1. Ehrlich gesagt verstehe ich solche Unternehmen nicht. Statt sich mal in Ruhe zu unterhalten kommt die große Abmahn Keule. Statt aber Ruhe kommt jetzt eine Menge negative PR heraus.

    “Dümmer” kann man sich nicht anstellen,oder?

  2. Die Hoffnung stirbt zuletzt und vielleicht nehmen sich in Zukunft andere Unternehmen ja an dieser Welle ein Beispiel. Wenn schon Jako nicht von anderen Fällen gelernt hat.

  3. Negative PR ist immer noch besser als gar keine..aber im Fall Jacko verstehe ich es wirklich nicht, denn die haben ein recht gutes Image zu verlieren. Voraussgesetz das wird noch weiter verbreitet. Bei Primacall verstehe ich es wiederum, wer sein Unternehemen so an die Wand gefahren hat kann nicht mehr verlieren sondern nur noch gewinnen.

  4. Hi,

    man könnte aber auch mal das Potential sehen, welches für Jako in dem Fall steckt. Sollten die PR-Berater des Unternehmens so schlau sein, sich öffentlich von der Anwaltskanzlei zu distanzieren und alle Forderungen vorbehaltlos fallen zu lassen, könnte der Hype auch noch ins Gegenteil umschlagen.

    Man stelle sich mal vor, die würden jetzt Shirts mit der Aufschrift “Wer Blogger unterschätzt wird zur Schlurchmarke” oder so ähnlich, herstellen und zum Beispiel an jeden Blogger, der darüber geschrieben hat verschenken. Ich vermute mal, das dürfte ganz gut ankommen und einiges positives Feedback erzeugen. Dazu noch eine Brise Social Media, wie zum Beispiel ein ordentliches Twitter-Profil und ein eigener Blog. Schon könnte Jako zu einer “angesagten und coolen” Marke geworden sein.

    Ich hoffe es ist verständlich worauf ich hinaus will.

    MfG

  5. Viele große Unternehmen erlauben sich in letzter Zeit ziemlich viel. Ohne die ganzen Blogger und Webseitenbetreiber könnten einige von denen einpacken.

  6. @ mirco: das ist der Punkt! 1005ig den Nagel auf den Kopf getroffen. anstatt via twitter zu einer underground Black SEO aktion aufgerufen wird, wird immer schon der Markenname genannt, und somit immer relevanter. auch ohne backlink…

  7. Traurig, dass es immer erst so weit kommen muss. Anstatt einfach mal den Kontakt zu suchen. So würde sich vieles auch ohne große Probleme klären lassen.

    Zudem kann doch auch ein Unternehmen von solchen negativen Äußerungen profitieren. Wenn jemand über etwas schlecht schreibt, dann muss doch vielleicht auch etwas dran sein. Statt denjenigen abzumahnen, sollte man sich die Kritik lieber zu herzen nehmen und etwas verbessern.

    In dem Fall kann ich es zwar nicht beurteilen, aber Abmahnungen finde ich einfach keine gute Möglichkeit. Ich hoffe hier bessert der Gesetzgeber demnächst endlich mal nach, damit diese Vernichtung von Existenzen endlich aufhört.

  8. Den Text ändern warum?
    Freie Meinungsäußerung – ist doch wohl klar.
    Aber danke, dass ich jetzt weiß, was das für eine Firma
    ist – Internet sei Dank :)

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