Ein Haiti fürs Marketing – Danke PC Welt

Ihr wisst, ich schreibe manchmal ein bisschen überhitzt, es könnte jetzt wieder so sein, muss es aber nicht. Haiti ist das Synonym für Leid und schweres Schicksal in diesen Wochen, darüber brauchen wir nicht diskutieren, daran gibt es nichts zu diskutieren. Wie aber bezeichnet man es, wenn Medien dieses Leid scheinbar ohne Skrupel ausnutzen, um damit die eigene Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit zu stärken? Ich nenne es einfach mal respektlos, dann verzichte ich an dieser Stelle auf Treffer unter der Gürtellinie. Bringe ich es auf den Punkt: Man kann Haiti wunderbar nutzen, um damit kostengünstig Werbung für sich selbst zu machen. Man schmückt alles einfach als Charity-Aktion und schon ist das Gewissen reingewaschen.

Wie? Na, einfach 10 Cent pro Follower als Spende abgeben. Ist doch günstig und bis es ein wirklich nennenswerter Spendenbeitrag wird, gehen noch Monate, gar Jahre ins Land. Läuft es nicht gut genug an, verdoppelt man den Betrag und spendet 20 Cent pro Follower. Haiti – Danke! Aktuell 3.501 Follower im Account von PC-Welt. Eine erstaunliche Spendensumme von 700, 20 Euro.

pcwelt-haiti-tweet

Der absolute Höhepunkt dieser Aktion kommt aber erst noch. Scheinbar sieht man sich bei PC Welt auf der absolut korrekten Schiene. Am Ende der Aktionsseite, ist selbstverständlich noch ein Gewinnspiel für die Leute, die bei der ganzen Aktion teilnehmen. Mag echt sein, dass diese Aktion einen Funken Ehrlichkeit besitzt, mag auch sein das ich es nur etwas überspitzt sehe, aber halten wir fest:

10 Cent pro Follower werden auf 20 Cent pro Follower angehoben, scheinbar als Anreiz dafür, dass noch schneller noch mehr Leuten dem Twitter-Account folgen, der bislang nicht wirklich erfolgreich geführt wurde. Für die Follower und die Leute die auch noch am Voting teilnehmen, gibt’s als Geschmacksverstärker noch ein Gewinnspiel. Windows 7, Notebook, iPod Touch usw. Preise, die man locker auch als Geld nach Haiti spenden könnte. Statt alles an die große Glocke zu hängen, wäre das Ausfüllen eines 5.000 Euro Überweisungsträgers sicher auch besser gelungen.

Die Meinungen zu der PC Welt Aktion gehen mit hoher Wahrscheinlichkeit in unterschiedliche Richtungen. Einige werden auch die Argumente anführen, dass es egal ist, wie viel Marketing ein Unternehmen mit dem Leid anderer Menschen macht. Wichtig seien nur die Spendengelder. Doch danke, aber wenn Spenden nur durch so großes Leid richtig funktionieren, dann… einen guten Start in die Woche!

Kennst Du mehr solcher Haiti-Spenden-Marketing-Aktionen? Melde jede einzelne in den Kommentaren!

ps: wenn Blogger immer alles „schön schreiben“ würden was im Netz passiert, bräuchte man sie nicht!

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Über eisy
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19 Kommentare zu Ein Haiti fürs Marketing – Danke PC Welt

  1. Davon, dass in ein bis drei Monaten keine wirklichen Spendenaufrufe mehr für Haiti getätigt werden, fange ich absichtlich in dieser Diskussion nicht an. Ich denke wir wissen alle sehr gut, dass hier nur ein Karussell gedreht wird, weil große Medien mit an diesem Karussell wirken und jeder ein bisschen dabei sein will. Aber ich kann auch irren. Wo war der Tsunami? Eben!

  2. Das gleiche ekelhafte Getue bei tagesgeld-news dot de: 1 EUR pro eröffnetem Tagesgeldkonto (1 Euro bei bis zu 65 Euro Prov.!) plus kläglichem Linkbaitversuch (“Blogger! Berichtet über unsere Aktion!”). Es ist zum Kotzen. Und war doch so absehbar.

    Sorry, aber das mußte mal raus.

  3. Ach, das finde ich noch alles harmlos gegenüber dem was Kik so treibt. Die Spenden doch tatsächlich 1 Cent je EInkauf. Was? Genau, einen einzigen Cent. Also nach 1000 Einkäufen sind 10€ zusammen. Toll was?

    http://off-the-record.de/2010/01/23/ihr-einkauf-hilft-und-zwar-kik/

  4. @elcario

    wow einen ganzen cent pro einkauf^^ traurig ist das, mehr nicht … millarden umsätze scheffeln und dann einen cent pro einkauf spenden? …

    aber haben wir denn wirklich etwas anderes erwartet als das einige organe das erdbeben von haiti als gelungenes ereigniss sehen um ein wenig ins gespräch zu kommen, ein paar kunden zu gewinnen und ein wenig mehr geld zu scheffeln? denke nicht …

  5. Ich halte es für den falschen Weg, die Spenden von KIK, mit denen von PC Welt zu vergleichen oder in einen Topf zu stecken. Bei KIK gibt ein Unternehmen durch ganz alltägliche Handlungen einen 1 Cent mit auf den Weg. Bei PC Welt hingegen, oder auch bei diesen Tagesgeld-Zeugs, da wird man zu einer klaren „Vorteilshandlung“ aufgefordert, bevor hier überhaupt eine Spende abgedrückt wird. Macht in meinen Augen einen sehr deutlichen Unterschied über den man nicht blindlinks hinweg sehen sollte. Das eine sind Spenden, dass andere sind Spenden im gleichen Atemzug mit Marketing, und ohne Marketing keine Spenden. Also erfolgsbasierte Spenden sozusagen!

  6. Ich sehe das etwas differenzierter. Die KIK-Aktion finde ich gut. Die haben ja nicht nur eine Filiale und was da an Einkäufen getätigt wird ist sicher nciht wenig. Da kommt schon einiges zusammen, auch wenn 1 Cent jetzt vielleicht nicht viel zu schein scheint auf den ersten Blick.

    Ähnlich sehe ich es bei der PC-Welt und selbst die jetzigen 700 Euro sind doch schon mal etwas.

    Ich selbst spende übrigens nichts für Haiti. Warum? Ganz einfach, weil da von jedem Euro wieder so 20 Cent oder mehr für irgendwelchen Verwaltungskram usw. drauf gehen und das Geld eh nicht komplett dort ankommt wo es eigentlich hingehört.

    Zudem bin ich der Meinung, daß es auch hier in der näheren Umgebung eines jeden einzelnen genügend Menschen gibt die Hilfe bedürfen. Da muß man nicht jedem Spendenhype nachlaufen. Da schaff ich lieber einen neuen Arbeitsplatz und hol damit wen aus Hartz IV raus, da fühl ich mich wohler bei.

  7. @Torsten
    Ich denke das es den Leuten auf Haiti um einiges schlechter geht wie Harz IV empfänger die ja wenigstens einen dach über dem kopf haben!
    Das ein Teil der Spenden für Verwaltung draufgeht ist ja klar, jemand muss ja das Ganze ja auch organisieren und verwalten.

    Zum eigentlichen Thema: ich finde es abartig wie manche Firmen wie hier erwähnt wurde, das leid vieler Menschen ausnutzen um einer Marketingstrategie nachzugehen. Die Kik Spende finde ich lächerlich, man will mit dem Mitleid der Menschen Kasse machen und nebenbei sein Image aufpolieren. Einen Check ausfüllen hätte es auch getan und tut nicht weh.

    Schönen Tag noch

  8. Mit dem Leid der Menschen auf Haiti Geld zu verdienen ist nun wirklich das letzte. Allerdings tauchen ja auch schon die ersten Affiliate Programme zum Thema Spenden und Haiti auf, mit satten Provisionen … das nenn ich dann mal Tranzparenz.

    Vorallem, wo hinlänglich bekannt ist, dass im deutschen Spendendschungel ca 85% des Spendenaufkommens für die Verwaltung der Spenden verwendet wird (*lol* & schönen Gruß an den “WWF” und “Brot für die Welt”), und nur reelle 15 Prozent dort landen, wo sie auch landen sollen, bei Hilfebedürftigen.

    Schön, das mal jemand die Eier hat, und solche Zustaände anprangert und publiziert, auch wenn alle die Augen verschließen oder davon nichts wissen wollen, da sie Ihr Gewissen mit einer Spende schnell erleichtern können – Wir könnten auch wieder Ablassbriefe verkaufen, das ist das selbe…

    Grüße

  9. Sicher gibt es auch schwarze Schaafe unter den Spendensammlern. Aber pauschal zu behaupten es gehen 85 % für die Verwaltung drauf ?
    Da sollte man als Blogger schon mal die Quelle nennen, wo du das her hast.

  10. Die Spendenaufrufe nerven mich auch schon sehr, vor allem durch solche Aktionen wie Kik etc. Auch die Werbung bei Pro7 mit dem “RedNose-Day” oder die Aufrufe durch RTL auf ihre Sendereigene Spenden -Hotline zu spenden nerven mich tierisch.

    Das Problem am Spenden ist immer, wieviel im Endeffekt dort ankommt. Wenn es hier mehr Transparenz gäbe, würde auch leichter gespendet werden – auch von den Firmen – denn wer sagt denn wieviel bei kik wirklich rauskommt….

    Haribo hat zu einem anderen Thema die gleiche Methode bzgl. Spenden

  11. @thomas einfach mal Google befragen, das sind öffentliche Statistiken und Analysen. Teilweise geht sogar noch mehr Geld für die Beschaffung und die Verwaltung drauf … zu meinem Bedauern meist bei den “Großen” der Branche. Besonders bei denen, welche mit Gewinnen winken, unter dem Deckmantel der Solidarität.

    In der Capital (glaub ich zumindest – kann mich auch bei der Publikation irren) stand mal ein Artikel (so um 2006 – 2007 rum) , dass bei Greenpeace lediglich 5% effektiv für den Umweltschutz eingestzt werden – der Rest geht bspw. für Marketing, Personal (auch ein Dr. bei Greenpeace will gut bezahlt werden – sonst wecheslt er die Seiten *lol*), Benzin und 1.5 Millionen Euro Speedboote drauf, anstatt die Menschen aufzuklären und in ökologisch nachhaltige Programme in der 3.Welt zu investieren.

    Grüße

  12. Die Aktion von tagesgeld-news .de ist einfach nur wiederlich. Sich so am Leid anderer Menschen zu bereichern gehört verboten!

  13. Das ist doch nichts neues mit dem Leid armer Menschen oder hungernder Kinder Promotion für sich zu machen. Guck dir doch mal die ganzen Charity Aktionen der Reichen an. Da gibts eine Spendengala im Hilton, wo mit dem neuen A8 vorgefahren wird und jede Menge teueres Fressen von teueren Sterneköchen. Um im guten Licht dazustehen, wird am Ende noch ein bisschen was gespendet. Warum treffen die sich nicht bei der Würstchenbude um die Ecke, fressen ne Pommes und spenden das Geld für die teueren Räumlichkeiten und das Festessen gleich mit.

    Die Spender die es ernst meinen, leben nicht in Sauss und Braus und spenden im verborgenen. Daraus so eine lächerliche Aktion zu machen finde ich auch mehr als ekelhaft von PC-Welt, aber noch lange nicht so schlimm wie die Spendengalas der Reichen!

  14. Das Problem ist ja beim Spenden auch einfach immer, das kaum bis garnichts wirklich ankommt! Wenn 25% der Spenden wirklich bei Bedürftigen ankommen würde, wäre es schon ein seltenes Wunder!

  15. Da gibt es schon einige Seiten, bei denen 1 € pro neuem Tagesgeld/Festgeldkonto gespendet wird. Wenn man bedenkt, dass der Webmaster dadurch ~50 € ist die Spende wirklich lächerlich.

  16. Also ich bin hier geteilter Meinung … Klar macht es einen miesen Eindruck, wenn jemand von einer 50€ Provision nur 1 Euro abgibt … da wäre wesentlich mehr möglich und der Betreiber könnte trotzdem noch daran profitieren (und wenn auch nur in Form einer Imageverbesserung)…

    Trotzdem muss man anmerken, dass jeder Euro der gespendet wird hilft! Lieber ein paar Euro die ankommen als KEINE!

    Natürlich wäre es moralischer, wenn sämtliche Erlöse dieser Aktionen an Hilfsorganisationen weitergegeben werden würden. Aber trotzdem finde ich: besser etwas als nichts … auch Kleinvieh macht Mist!

    Liebe Grüße,
    Mario

  17. Zum Glück gibt es Leute die es so sehen wie du und darüber berichten. Die meisten Blogger schreiben über solche Aktionen begeistert in ihrem Blog. Das ist doch das traurige.

    Gibt es tatsächlich Leute die sich gut fühlen weil sie jetzt PC Welt followen ???

  18. @Steven: Dass beim WWF “ca. 85% des Spendenaufkommens für die Verwaltung der Spenden verwendet wird” ist eine grobe Verleumdung. Man kann dort zwar in der Tat allgemein spenden, aber eben auch konkret projektbezogen, wodurch ganze 100% für das Projekt verwendet werden und kein Cent für die Verwaltung.

    Generell bin ich bei solchen Aktionen auch geteilter Meinung. Einerseits helfen freilich auch kleine Summen, wenn viele kleine zusammenkommen, andererseits ist es natürlich pure Heuchelei, wenn von Unternehmen so lächerliche Beträge wie 700€ gespendet werden. Damit kann man zwar in einem Drittweltland schon viel erreichen, da dort alles billiger ist, aber es zeigt auch, dass die jeweiligen Unternehmen eben keinen Cent zuviel verschenken und das Ganze nur als PR-Aktion nutzen wollen. Von daher finde ich es gut, dass Geld gespendet wird, die spendenden Unternehmen gewinnen bei mir dabei aber definitiv nicht an Ansehen. Dafür muss ich schon den Eindruck haben, dass die es ernst meinen.

  19. Ich war ein Keyword // 3. Februar 2010 um 11:25 // Antworten

    Komische Sache – wir spenden unseren gesamten Gewinn und es wird einem übel genommen. Schon einmal daran gedacht, dass den Einnahmen auch enorme Ausgageb entgegenstehen? Ich glaube Wirtschaft ist nicht das beste Fach einige Kommentatoren hier. Die meisten Besucher werden mit Werbung, Kampagnen, Aktionen, z.B. Google, Yahoo etc. angelockt. Das kostet enorme Summen (bspw. 1-1,50€ für jeden Besucher zum Keyword Tagesgeld / Festgeld) – klar kann man das auch sein lassen, dann dann sind es halt nicht 50€ am Tag, sondern 2€.

    Auf jeden Fall muss man so etwas wirtschaftlich betrachten – wo Einnahmen sind, da sind auch große Ausgaben – und die Differenz ist der Gewinn. Und diesen möchten wir den Opfern von Haiti spenden – und das soll schlecht sein?

    Ich versteh die Welt nicht mehr…

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