Domains altern lassen – am besten naturgemäß

Oft registriert man sich eine schöne Domain weil man gerade die passende Idee hat – oder umgekehrt, man hat die schöne Idee und registriert sich die passende Domain. Steht im Anschluss vor zeitlichen Schranken, die einen den Weg weisen, lieber die wichtigeren Dinge zu erledigen. Jetzt steht man vor der Entscheidung, die Domain mit Content zu füllen und dann altern zu lassen, oder die Domain einfach zu parken. Alternativ auch einfach nur im Portfolio liegen zu lassen.

Passen zu diesem Thema habe ich die perfekte Frage in Formspring.me erhalten.

„Hey Eisy, macht es Sinn eine Domain mit einer HTML-Seite themenrelevantem Content zu versehen, wenn die eigentliche Projektierung erst in einem Jahr geschehen soll. Immerhin würde die Domain bei Google dann schon altern oder? Viele Grüße Chris.“

Die Frage ist toll, jedoch geht aus der Frage für mich nicht hervor, ob Chris ausreichend Ahnung hat, um mit einem „Ja“ oder „Nein“ umzugehen. Aus diesem Grund muss ich dieser Frage noch eine weitere Frage und Antwort voranstellen, die so scheinbar immer noch nur wenige Leute beachten, die in diesem Bereich Aktivitäten aufbauen.

Frage: Wann altert eine Domain für Google wertvoll?

Eine Domain altern zu lassen bedeutet nicht, die Domain frühzeitig zu registrieren und dann mit Content gefüllt in der Ecke liegen zu lassen. Dadurch wird die Domain zwar alt, hat in aller Regel aber keinen Altersbonus bei Google. Den wirklichen Vorteil verschafft man sich nur dann, wenn man eine Domain und deren Content „archiviert altern“ lässt. Was dies bedeutet, möchte ich bezugnehmend auf die Frage von Chris nun beantworten.

Altersbonus bei Domains auskosten

Um eine Domain sinnvoll in die Jahre kommen zu lassen, muss diese Domain ein historisches Archiv haben. Fast jeder Webmaster der sich mit SEO befasst, kennt die Seite archive.org mit angeschlossener Wayback-Machine.

Dort werden archivierte Websites Monat für Monat zur abrufbar gemacht. Das Archiv ist zwar leider nicht lückenlos und somit kann man sich nicht darauf verlassen, aber es ist ein guter Ansatzpunkt dafür, ob eine Domain eine historische Archivierung erfahren hat. Spiegel.de beispielsweise steht vom 23. Dezember 1996 bis 27. August 2010 im Archiv, hat aber sehr grobe Lücken. Meine eisy.eu Domain ist auch seit 2007 nicht lückenlos. Beide Domains jedoch wurden lückenlos betrieben. Soviel nur zum Thema Genauigkeit von Archive.org.

Google jedoch hat – ohne das ich es beweisen kann – intern sehr wohl das Wissen darüber, wie durchgehend eine Domain betrieben wurde. Denn Google wird wohl nachvollziehen können, ob eine Domain dauerhaft die letzten Jahre und Monate im Index gelistet wurde.

Es ist also sicherzustellen, dass die Domain durchgehend im Index ist.

Dies ist meine Annahme, die ich absolut nicht mit Fakten und Belegen untermauern kann. Denn ich schreibe hier über die Techniken eines Unternehmens, welches sich dahingehend sehr verschlossen zeigt: Google! Domains die zwei Jahre durchgehend im Index waren, im Anschluss durch einen Inhaberwechsel jedoch ein halbes Jahr nicht im Index waren (der neue Inhaber könnt es ja für noch nicht notwendig gehalten haben), aber danach wieder ein halbes Jahr im Index sind, haben ein Alter von? Genau, von sechs Monaten! Fälschlicherweise denken manche die Domain wäre bereits 3 Jahre alt. Was sie eigentlich auch ist, aber eben nur eigentlich. Vor Google jedoch ist sie sechs Monate alt. So alt, wie sie lange zuletzt durchgehend im Index war.

Archiviertes Domainalter ist kein Garant für die Wertsteigerung.

Domains erhalten den sogenannten „Altersbonus“ von Google nicht generell und grundsätzlich so, dass der Nutzer hier einen Effekt spürt. Ein Faktor der bei diesem Thema äußerst wichtig ist, ist die Themenrelevanz. Vorher und Nachher nämlich, sind wichtiger als viele Leute glauben. Kein Wunder, bekommt man von selbsternannten Domainern ja auch ständig vermeintlich alte Domains – gemessen am Registrierungsdatum – aufgeschwatzt.

Wer eine Domain altern lassen möchte, sollte folgende Dinge beachten:

  • mit zukunftsorientierten, relevanten Content projektieren
  • regelmäßig frischen Content nachlegen
  • unregelmäßig neue Backlinks aufbauen
  • konstant im Index bleiben

Auch wenn man eine Domain registriert und erst in einem Jahr dazu kommt, die Domain aktiv zu verwenden, sollte man sich um die Domain bereits heute kümmern. Auf die Domain gehört relevanter Content, der sich mit dem Thema deckt, das man später auf der Domain finden wird. Plane ich eine Website mit einer Idee die heute noch keiner wissen soll, muss ich eben so nah wie möglich ran, ohne dabei zu viel zu verraten. Am besten nutzt man direkt WordPress oder ein anderes, kleineres CMS (Redaxo bspw.) für die Erstprojektierung. Dadurch wird es leichter, jeden Monat neuen Content nachzulegen. Denn auch wenn die Domain noch nicht genutzt wird, sollte man so tun als ob. Daher einfach eine reale Seite vortäuschen und monatlich einmal neuen Content aufbauen. Blogbeiträge sind ja eine gute Option. Wer keine Zeit für solche Dinge hat, kauft den Content eben fix günstig bei Textbroker, Content.de oder anderen Plattformen.

Unregelmäßig aber wirksam und scheinbar natürlich, sollten immer wieder Backlinks für die Domain aufgebaut werden. In diesem Fall sollte man eher nicht die Wege der Bookmarks, Webkataloge und Artikelverzeichnisse wegen der Einfachheit nutzen. Schöner läuft es über ein paar Pressemeldungen und Kommentare in Blogs. Nein, ich rufe nicht zum Kommentar-Spam.

ABER: Durch die hohe Anzahl an Blogs im heutigen Web, ist es ein ganz natürlicher Vorgang, wenn Domains auch Links durch Kommentare erhalten. Immerhin bindet das Web einem tagtäglich diese Optionen auf die Nase und Google ist dahingehend auch nicht unterbelichtet. Dabei muss man absolut keine Keyword-Links sammeln. Es reicht die normale Verlinkung des eigenen Namens, denn es geht NUR um den einen Zweck: im Index bleiben!

Der Tag der Offenbarung

Die Domain alterte die letzten hundert Jahre, nun, im 20. Jahrhundert nach Googles Geburt soll das Projekt starten. Soll man den alten Content nun löschen? Nein, auf keinen Fall. Viel effektiver als das Löschen des Contents ist die Archivierung auf begrenzte oder unbestimmte Zeit. Man baut die neue Website ganz normal auf. Der alte Content wird ins Unterverzeichnis /archivx/ verschoben, wo die alternde Seite im Original abgelegt bleibt. Alte URLs die im neuen Projekt nicht zufällig gebraucht werden, bekommen eine 301 Weiterleitung zum bekannten Content. Die alte Startseite (heute unter /archivx/ zu finden) wird dezent im Footer oder an anderer Stelle verlinkt, um für Google weiterhin erreichbar zu sein. Man muss diesen Verweis für den Besucher gar nicht weiter kenntlichmachen, sollte ihn aber auch nicht verstecken. Also Trickereien ausgeschlossen.

In den letzten Jahren durfte ich immer wieder festellen, dass Domains die ich kaufte und mit 100% neuen, aber relevanten Content, deutlich mehr Schwierigkeiten machten, als die Domains, bei denen ich den alten Content indirekt stehen lies, und nur neuen Content hinzufügte. Dadurch fühle ich mich in meiner Ansicht bestätigt, bei Google deutlich mehr Priorität zu haben, wenn ich meinen wertvoll gewordenen, alten Content behalte. Immerhin wertet Google auch Links von Jahr zu Jahr stärker, in denen diese dauerhaft bestehen. Ein Link der in drei Monaten seine Wirkung zeigt, zeigt noch lange nicht die Wirkung, die er in zwei Jahren hat, wenn er immer noch besteht und dauerhaft bestand.

Konstanz ist das Zauberwort

Google möchte dauerhaften Wertzuwachs und den kann Google am besten mit der Variable „Konstanz“ vergeben. Links, Content, indexierte Domains, alle drei Elemente gewinnen bei Google an Wert, wenn sie konstant vorhanden sind und nicht immer wieder gestört und unterbrochen werden.

Das ist meine Antwort auf die Frage von Chris. Ich weiß, hier kann man viel Spekulieren und zahlreiche Stammtisch-Diskussionen führen. Jeder sammelt über die Jahre seine Erfahrungen, bildet seine eigene Meinung und geht eigensinnig an Sachen ran. Jeder, auch ich. :-)

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Über eisy (521 Artikel)
Hi, ich bin eisy (Soeren Eisenschmidt) und blogge seit 2007 auf eisy.eu. Meinen Weblog fülle ich bevorzugt mit Fachthemen rund um SEO, Affiliate-Marketing und relevanter Software. Regelmäßig ist mein Wissen bei Print- und Online-Magazinen gefragt.

18 Kommentare zu Domains altern lassen – am besten naturgemäß

  1. Hinsichtlich „Wer eine Domain altern lassen möchte, sollte folgende Dinge beachten:“ bin ich absolut einverstanden mit deinen Thesen im Sinne einer best practice. Ob auch gilt „Vor Google jedoch ist sie sechs Monate alt“ müsste man genau testen.

    • Über den Zeitraum, wie lange eine Domain nicht im Index sein muss, damit Google ihr den Altersbonus wieder entzieht, lässt sich sicher streiten. Nicht aber darüber, dass Google Konstanz mag und das es somit immer am besten ist, wenn eine Domain einfach dauerhaft im Index steht. Meine Meinung zumindest. :)

      • Was das entziehen des Altersbonus(es) angeht hier ein kleine Beobachtung meinerseits: Die Domain wurde registriert und war danach ca 12 Monate tot (kein Content & nicht im Index). Nach den 12 Monaten haben wir die Domain mit neuem Inhalt live geschaltet … Keine zwei Wochen später waren sowohl die Backlinks, sowie der PR wieder auf dem früheren Level … Wenn Google also den Rucksack einer Domain im Hinterkopf behält, scheint er da auch ziemlich lange zu bleiben. Die Domain muss allerdings länger als 12 Monate brach gelegen haben, da wir die Domain schon vorher im Auge hatten und sie dort auch schon komplett leer war …

      • Relativ schwer zu testen… Mit einer KW-Domain hätte ich diesen Case schon öfter gehabt aber durch den vermutlichen KW-Bonus kann man mit diesen Erfahrungen auch nichts genaues sagen…

  2. Danke für die ausführliche Antwort! Das hilft mir weiter :)

    Viele Grüße
    Chris

  3. Schön, dass Du Dich dem Thema Domainalter so ausführlich widmest. Meistens wird auf diesen (wichtigen) Punkt kaum eingegangen. Er läuft häufig als „sonstiger Faktor“ mit, der ja nun mal von einer Agentur/SEO-Dienstleister nicht weiter beeinflusst werden kann. „Ihre Domain ist halt noch sehr jung.“ Da sollte man eben, wie beschrieben, ein bisschen voraus denken und vorarbeiten. Meinen Erfahrungen nach ist das Domainalter als Rankingfaktor definitiv nicht zu unterschätzen. Ich habe es häufiger erlebt, dass Seiten, bei denen sich vor 5/6/7 Jahren absolut niemand um On- oder Offpageoptimierung gekümmert hat, sich wie angeschraubt auf bestimmten Positionen halten. Da kommst Du dann mit einem voll optimierten Hochleistungsschlachtschiff an und guckst erst mal in die Röhre :-) Vgl. auch Punkte 1. und 2. in diesem Artikel: http://www.seokratie.de/seo-konkurrenzanalyse/

  4. Netter Artikel, schön zu lesen. Das mit der Genauigkeit von archive.org ist aber schon teilweise lächerlich. Wenn man sich mal ein paar Seiten (auch größere) herauspickt, merkt man schnell, dass speziell in 2009 und 2010 bei vielen irgendwie nicht wirkliche Einträge auszumachen sind. Ob das noch kommt ist natürlich die Frage. Generell ist eine durchgehende „Indexierung“ einer Website in archive.org auf jeden Fall ein positives Signal. Ähnlich wie mit dem AlexaRank allerdings ist auch mit archive.org – leider zu ungenau :-(

  5. Dann nützen mir meine zig Domain-Leichen im Keller wohl nichts, ich kenne das nämlich sehr gut mit schöne Idee für ein neues Projekt, schnell mal Domain reservieren, und dann doch keine Zeit haben :-)

  6. Das Domainalter nicht unbedingt zu einer Aufwertung führt kann ich nur bestätigen. Einige meiner Domains sind etwas über fünf Jahre alt (das alte ideenproblem…). Dennoch haben sie einen Pagerank von n/a. War halt nicht wirklich viel Content drauf.

    Auf der anderen Seite habe ich aber ein paar Domains, die schon länger Content haben. Leider habe ich deinen Rat nicht befolgt und sie stets mit etwas Content gefüttert. Dohh…

  7. Interessanter Beitrag. In dieser Hinsicht bin ich auch gerade am Erfahrungen sammeln. Ich habe eine ca. 12 Jahre alte Domain und zwei, die vor einem halben Jahr registriert wurden. Auf allen drei Domains ist seit ca. fünf Monaten Content, der stetig wächst. Bisher kann ich bei der alten Domain keinen wirklichen Vorteil ausmachen. Aber ich denke, fünf Monate ist auch einfach noch ein zu kurzer Zeitraum, um da was beurteilen zu können. Ich berichte in zwei Jahren nochmal… ;-)

  8. Mit anderen Worten da registrieren Webmaster alte Domains
    weil Sie glauben damit einen Rankingvorteil leichter zu erhalten und in Wahrheit ist das nicht so,
    also gänzlich nutzlos ?

    Also das alter der Backlinks die auf die Domain seit z.b. 15 Jahren verweisen ?

    Lässt sich das nachvollziehen oder ist das deine Meinung / Erfahrungswert ?

  9. Hey eisy,
    stützt sich die Aussage „Immerhin wertet Google auch Links von Jahr zu Jahr stärker, in denen diese dauerhaft bestehen. Ein Link der in drei Monaten seine Wirkung zeigt, zeigt noch lange nicht die Wirkung, die er in zwei Jahren hat, wenn er immer noch besteht und dauerhaft bestand.“ auf deine eigenen Erfahrungen?

    Ich kenne zwar auch das Gerücht, dass das so ist, aber es gab im Januar mal einen Whiteboard Friday, dass das nicht der Fall ist: http://www.seomoz.org/blog/age-of-site-and-old-links-whiteboard-friday (etwa ab 5:30)

    Die Aussage da ist mMn. „Die Seite aged und unterliegt nicht der Fluktuation des Internets, deshalb scheint sie wichtig zu sein, also ist auch der Link darauf wichtig – ob der aber nun später dazu kommt oder von Anfang an da ist, hat keinen allzugroßen Einfluss“

    Viele Grüße
    Pascal

  10. Danke für den Artikel. Ich frage mich nur, ob im Zuge der Qualitätsoffensive (Panda etc.) das Domainalter in Zukunft noch eine genauso große Rolle spielen wird. Schließlich sagt es nichts über die Qualität einer Seite aus.

    • Philip Hauberg // 4. Januar 2012 um 18:53 // Antworten

      Ich meine im Abakus Forum gelesen zu haben, dass das Domainalter immer noch eine große Rolle spielen soll, obwohl ich dir zustimme das es überhaupt nicht mit der Qualität zu tun hat.

  11. Hallo eisy, interessanter Artikel, wenn auch schon ein paar Monate alt ;) Den Teil mit der Archivierung in ein Unterverzeichnis kannte ich bisher noch nicht. Das ist ein guter Tipp, da ich aktuell noch einige Domains rumliegen habe, welche man auf diese Art sauber altern lassen kann.

  12. Einer der interessantesten Artikel bzgl. Domainalter! Vielen Dank dafür, habe einiges gelernt und neues zum ausprobieren gefunden!

  13. Meine These auf Grund meiner Erfahrung ist, dass der Altersbonus einer Domain für Google nicht proportional zu ihrem Alter steigt, ob nun mit stetig indexiertem, organisch gewachsenen Content oder nicht. Sondern mir erscheint es so, dass für Google Domains in zwei Guppen teilt: Domains die weniger als X Monate im Index von Google sind und Domains die genau seit oder länger als X Monate im Index von Google sind und einen kritischen Wert an Nicht-Abrufbarkeit nicht überschritten haben. Sollte dies zutreffen, wäre eine Domain, die zur zweiten Gruppe gehört, mit einem Alter von 3 Jahren nicht bevorteilt gegenüber einer Domain mit einem Alter von z.B. 5 Jahren (Sofern X Monate kleiner als 3 Jahre ist, was es nach meiner Erfahrung deutlich ist. X Könnte nach meiner Erfahrung aktuell bei 24 liegen).

  14. Ich würde nochmal auf das Zauberwort „Expired“ eingehen.
    Oftmals muss man seine Domain garnicht selbst altern lassen, sondern findet nach wenigen Wochen der Suche eine brauchbare abgelaufene Domain, die sich günstig schnappen lässt.

    Dann lässt sich das Archiv dazu nutzen, um die alten Seiten zumindest der URL nach wieder herzustellen, um die alten Links zurück zu sammeln.

    Grad in SEO-Kreisen ist das schon lange sehr beliebt.

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